Der sozialnetzwerkende (Wahn)Sinn

Veröffentlicht: Freitag, 19.11.2010 in Gedanken, IT, Kollegen

Soziale Netze sind nützlich. Diese Erkenntnis ist so alt wie die Menschheit selbst. Was früher die Familienbande, wird immer mehr der Freundes- und Bekanntenkreis. Oder wie der Volksmund sagt: „Vitamin B schadet nur demjenigen, der keines besitzt.“

Im digitalen Zeitalter der Informationsgesellschaft nimmt dies jedoch Auswüchse an, die  – ich zumindest – schwer bedenklich finde. Wo soziale Vernetzung auf Geschäftsinteresse und Überwachungswahn trifft, sollte doch eine kritische Vorsicht geboten sein.

Während es, je nach Branche, durchaus sinnvoll ist, so viel Eigenwerbung wie möglich bei Xing in die Welt zu pusten, finde ich die offen zur Schau gestellte private Lebensweise bei Facebook und Konsorten jedoch höchst bedenklich.

Persönlicher Erfahrungshöhepunkt war für mich einst ein ehemaliger Auszubildender, der in seinem Xing-Profil auch seine Last.fm und Facebook-Identität verlinkte, sowie vieles Privates offenbarte, und sich auf einmal wunderte, warum ihn viele im Betrieb plötzlich schief anschauten. Dass er einen sehr unorthodoxen Lebensstil fröhnt, der bei denjenigen auf Ablehnung stößt, war somit nicht nur einer kleinen Gruppe toleranter Zeitgenossen, sondern nun der gesamten Belegschaft offenbar. Und alles nur wegen ein paar Links bei Xing.

Hier mag man ja noch jugendliche Naivität und fehlende Lebenserfahrung konstatieren, doch was wird erst daraus, wenn all diese Informationen verknüpft und ausgewertet werden, um kommerziellen und sonstigen unschönen Interessen zu dienen? Und das ist keine Dystopie, sondern Gegenwart, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

Die Spitze des Eisberges lässt sich doch selbst nur noch erahnen, wenn inzwischen Applikationen sämtliche sozialen Beziehungen auswerten sollen. Oder Facebook bald Zugriff auf wirklich jede Kommunikation im Netz und darüber hinaus erhält. Gläserner als Glas kann man nun wirklich nicht mehr werden, denn der Volksmund weiß: „Zeig mir deine Freunde und ich sage dir, wer du bist.“

Und da wundert sich ein Axel E. Fischer bestimmt, warum seine Forderung nach einem Vermummungsverbot im Internet maximal hysterisches Gelächter hervorruft. Ich jedenfalls weiß, warum ich hier mein Gesicht nicht ohne Maske präsentiere.

Aber weiß auch die Mehrheit derjenigen da draußen, die sich in den sozialen Netzwerken herumtreiben, was sie alles über sich verraten?

Advertisements
Kommentare
  1. […] lasse ich heute doch glatt eine Arie gegen Facebook und Konsorten los, schon legt die Realität noch eine Schippe nach. Wie der Spiegel berichtet, wird in den USA […]

  2. […] habe ich mich gegen Facebook gesträubt und darauf geschimpft, doch auch ich sehe inzwischen den Nutzen die Nachteile überwiegen. Besonders, wenn es um kurze […]