Linux sicherer als Windows – ein Irrtum?

Veröffentlicht: Dienstag, 23.11.2010 in IT

Wenn man in der großen Netzwelt nachfragt, welches Betriebssystem das Sicherste sei, dann heißt es überwältigenden oft Linux. Fast ebenso einhellige Meinung herrscht drüber, dass die Produkte aus dem Hause Microsoft quasi sofort jedweder Attacke zum Opfer fallen. Und dann gibt es eine eher überschaubare Gruppe derer, die sagen, dass es genau andersherum sei.

Welche Seite hat nun Recht? Ganz einfach. Beide!

Liest man die eine Studie, so kommt diese zum Schluss, dass die Redmonder Softwareschmiede die größte Sicherheit bietet. Das läßt man als ordentliche Opposition natürlich nicht auf sich sitzen und man findet in eigenen Untersuchungen heraus, dass natürlich nichts Linux ans Wasser reichen kann.

Nun sehe ich – mit genug Erfahrung in der Linux, Windows und Unix-Welt – die Dinge doch ein wenig differenzierter.

Windows ist mit Abstand die verbreiteste Betriebssystemlösung auf den Rechnern dieser Welt. Darüber hinaus bietet es ein recht homogenes Umfeld und manchmal pennt Microsoft auch beim Beheben von Sicherheitslücken. Dafür beziehen und bezogen sie zurecht Schelte. Nichts desto trotz hat man in Redmond aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und das System evolutionär statt revolutionär sicherer gestaltet. Windows Vista, 7 und Server 2008 halte ich inzwischen nicht per se unsicherer als andere aktuelle Betriebssysteme da draußen.

Wie sieht es in der Linux-Welt aus? Tja, sehr gemischt. Teilweise stolpere ich heute noch über Server, auf denen Kernel laufen, an die sich nichtmal Linus Torvalds noch richtig erinnern kann und für die mehr Exploits bekannt sind, als mancher Mensch Haare auf dem Kopf trägt. Und wir reden hier nur vom Kern des Systems und nicht noch den zahlreichen, ebenso steinalten, sonstigen Programmen, die auf dem System ihren Dienst verrichten. Aber der Administrator – einer der vom Arbeitsamt umgeschulten Metzger – schwört Stein und Bein darauf, dass diese Kiste sicher ist, weil Linux drauf läuft, während ich schon anhand der offenen Verbindungen ins Internet sehe, dass die Kiste gerade fleissig Spam verteilt und nebenbei noch einen DDoS-Angriff auf irgend einen Server in den USA fährt.

Während das Gros der heutigen Schadsoftware einfach aufgrund der Verbreitung und damit der lohnenderen Zielgruppe auf Windows abzielt, spricht dies also nicht den Linux-Benutzer frei, dass er nicht auch morgen schon das nächste Opfer sein könnte. Zwar fällt ein Angriff und das Schreiben von Schadsoftware deutlich schwieriger aus, weil es nicht nur eine handvoll Linux-Versionen gibt, sondern eine fast unüberschaubare Zahl von Variationen. Dennoch ist dies genauso möglich, wie bei Windows. Nur, der Aufwand lohnt heute noch nicht.

Wer also zum Beispiel unter Windows als interessierter Laie die wirklich guten und sinnvollen Tipps des BSI für Bürger befolgt, ist nicht mehr oder weniger sicherer als der gemeine Linux-Nutzer, der das System nur benutzt, statt es wirklich zu verstehen.

Bleibt also das Fazit: Das unsicherste System bleibt immer noch jenes, auf das es jemand mit genug Wissen und Energie abgesehen hat!

Advertisements
Kommentare
  1. aol sagt:

    Also ist Linux doch sicherer…tja unnötig

  2. @aol

    Unnötig ist es auf keinem Fall. Ich möchte es nicht auf meinen diversen Servern und als Herz von Android nicht missen. ;)