Willst du ein paar schöne Stunden, fahr zum Kunden!

Veröffentlicht: Montag, 29.11.2010 in Kunden

Diese Weisheit kennt jeder Vertriebler im Außendienst. Auch für mich ist sie nicht so selten sehr zutreffend. Und in manchem Fall ganz besonders.

So gab es da einen Kunden, der wollte doch gar dringlich die qualifizierte Unterstützung durch mich und einen Kollegen haben. Und das – wie immer – am besten vorgestern. Nach kurzer Synchronisation unserer Kalender, wann wir mal keine Termine angesetzt hatten, wurde auch recht schnell ein Termin ausgemacht und wir eilten zu ihm.

Als wir bei ihm ankamen, erwarteten wir zwar keinen roten Teppich von Seiten des Kunden, aber doch zumindest ein wenig Freude über unser Erscheinen und die damit verbundene baldige Abwesenheit seiner Probleme. Unsere angekündigte Anwesenheit schien ihn völlig zu überraschen und wir wurden erstmal gebeten ein Weilchen im Konferenzraum zu warten. Und dort standen weder Kaffee, Kekse noch Schnittchen bereit oder wurden alsbald nachgereicht.

Nachdem wir die Zeit ausgiebig genutzt hatten – immer noch ohne Kaffee, Kekse und Schnittchen –  nochmal den Termin zu besprechen und uns alles in der Dokumentation anzuschauen, was irgendwie relevant sein könnte, kam einer der Mitarbeiter des Kunden zu uns ins Zimmer und teilte uns mit, dass sie vorerst beschäftigt seien, nicht mit uns gerechnet hätten und ob wir vielleicht nicht noch ein wenig Geduld hätten. So 3-4 Stunden.

Mein Kollege und ich schauten uns an, schauten auf die Uhr, schauten uns lächelnd nochmal an und bestätigten, dass wir jetzt erstmal ausgiebig Mittagspause machen würden. Wir machten uns auf in die nahe Altstadt und genossen dort die Angebote der hiesigen Gastronomie und das wirklich exzellente Frühsommerwetter.

Als wir nach 4 Stunden zurück zum Kunden kamen, erwartete dieser uns auch mit einer freudigen Überraschung, nämlich Kaffee und Keksen im Konferenzzimmer, und einem Stab von Mitarbeitern zur Vorbesprechung.

Bei dieser kam dann heraus, dass der Kunde noch einige Vorarbeiten leisten müsse, damit wir die gewünschten Dinge durchführen könnten und er die Voraussetzungen dafür nicht vor morgen früh schaffen könnte. Da Kekse und Kaffee auch vernichtend geschlagen waren, störte uns das nicht und wir machten uns auf in den schwer erarbeiteten Feierabend. Nachdem wir unser Hab und Gut inklusive motorisierter Gehhilfe am oder im Hotel untergebracht hatten, ging es wieder zurück in die wohlbekannte Altstadt, um an unserer Figur zu arbeiten.

Die Sonne wärmte unsere Körper, der Wein unsere Mägen und die schönen Frauen unsere Herzen. Und dann verschwimmen die Erinnerungen.

Am nächsten Morgen beförderte mich der Wecker unsanft aus meinem wohl viel zu kurzen Schlaf. Nachdem der Kadaver, der ehemals meinen Körper darstelle, rudimentär in einem vorzeigbaren Zustand gebracht wurde, schleppte ich mich zum Frühstück und konnte immerhin einen Leidensgenossen ausmachen. Nachdem wir aus unserer bruchstückhaften Erinnerung die Hergänge der letzten Nacht rekonsturiert hatten und wir ausschließen konnten, künftig von Interpol gesucht zu werden, scherzten wir bereits darüber, wie lange es diesmal dauern würde, bis wir etwas anderes als die Altstadt besichtigen tun könnten.

Kurze Zeit später standen wir dann auch wieder beim Kunden auf der Matte. Und wie wir es bereits ahnten, nichts war vorbereitet. Auch wurde uns gleich offenbart, dass wir am selben Tag nichts mehr tun könnten und wir wohl besser die Heimreise antreten könnten. Wider Erwarten wurde sogar unser Hinweis, dass aufgrund der nicht durch uns verschuldeten Wartezeiten, unser normaler Tagessatz anfallen würde, ohne Murren akzeptiert.

So düsten wir zum Hotel, wo wir sogar noch pünktlich den Check-out schafften und traten die Reise gen Heimat an. Und als wir unserem Häutpling berichteten, wie wir an jenen Tagen Geld verdienten, meinte er nur:

So könnten wir ruhig alle unser Geld verdienen!

Meine ich auch.

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Kommentare
  1. Tobi sagt:

    Gibt es denn wenigstens auch fuer die Stunden, wo ihr gezwungener Massen nicht arbeiten konntet, Entschaedigung bzw. einen Stundenlohn von dem Typen, der es schlamasselt hat?

  2. @Tobi

    Das war in diesem Fall mit „vollem Tagessatz“ gemeint. Und da wir nachweislich bereits im Vorfeld telefoniert hatten und unsere Anforderungen übermittelt hatten, gab es da auch keine Diskussion.

    Üblicherweise haben die Kunden aber wenig Verständnis, dass sie den vollen Preis zahlen sollen, wenn wir aufgrund ihrer Versäumnisse nicht tätig werden können.