Wenn Vorurteile daneben gehen

Veröffentlicht: Mittwoch, 01.12.2010 in Erlebnisse

Wenn der Maskierte im Auftrag seines Brötchensponsors eine Reise tut, dann nimmt er sich für gewöhnlich einen wunderschönen Dienstwagen. Unsere Dienstwagen sind außen von schlichter Mittelklasse-Eleganz, wissen jedoch stets mit ihren inneren Werten zu überzeugen. Möglicherweise wollte unser Häuptling früher mal Rennfahrer werden?

So fuhr ich dann entspannt dahin, erfreut über die freie Überholspur und war laut Tacho knapp durch die Schallmauer, als von hinten ein aufgemotzter Hasenkasten mit Rädern, wie er gerne von Mitbürgern mit Migrationshintergrund aus dem Bereich zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer gefahren wird, mit Blinker links und Lichthupe, die nicht vorhandene Zeitung auf meiner Heckablage lesen wollte. Außerdem musste es fürchterlich nebelig sein, man sah unübersichtliche 4-6 km weit, hatte der Henker am Lenker die Nebelscheinwerfer eingeschaltet und vorschriftsgemäß (!) die Hauptbeleuchtung auf Standlicht reguliert.

Weil ich ja einerseits ein freundlicher Mensch bin und andererseits ein schnelles Pferd im Stall ausgesucht hatte, plus der Verkehr es mir ermöglichte, trat ich das Gaspedal kräftig durchs Bodenblech, damit ich den armen Kerl hinter mir nicht länger blockiere. Man merkte deutlich, dass unser drängelnder Freund auf einmal Mühe hatte Schritt zu halten, was ihn jedoch nicht davon abbrachte, mir weiterhin in den Kofferraum kriechen zu wollen.

Als sich endlich eine ausreichend große Lücke auf der Mittelspur auftat, um unseren verhinderten Aushilfsschumi vorbei zu lassen, zog ich rüber.

Nun erwarte ich eigentlich von so jemanden, dass er zügig an mir vorbei zieht um mir dann, wenn er vorbei ist und ich wieder hinter ihn ziehe, den Mittelfinger zur Begutachtung zu zeigen. Doch Pustekuchen, der Herr zog langsamer als eine Rennschnecke auf Valium an mir vorbei. So konnte ich prima erspähen, dass es sich nicht um den Nachkömmling eines ex-anatolischen Ziegenhüters handelte, sondern um den gemeinen Businesskasper, wie er in den Flughafen-Terminals dieses Landes überall beheimatet ist.

Da saß er nun in seinem 3er BMW-Cabrio mit Hardtop und ich wusste echt nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll, ob der sich gerade dargebotenen Lächerlichkeit seinerseits. Noch einige Dutzend Kilometer schob er sich vor mir her, keine zwei Kilometer pro Stunde schneller als ich, während ich ihm mühelos in gebührendem Abstand folgte, bis sich am nächsten Autobahnkreuz unsere Wege trennten.

Drum merke für die Zukunft: Drängelst du gar sehr, mach dich schnell vom Acker nachher!

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