Und dann war da noch

Veröffentlicht: Donnerstag, 02.12.2010 in Kunden

Und dann war da noch der Kunde, der mich aus meinem verdienten Büroschlaf riss, indem er mein Telefon klingeln ließ.

Müde und verschlafen wie ich war, registrierte ich weder den Namen des Störenfrieds, noch die Vereinigung, in deren Lohn und Brot er stand. Sei’s drum, ich hatte ihn jetzt am Hörer und musste einen Schwall von wichtigen, weniger wichtigen und unwichtigen Informationen über mich ergehen lassen. Diese betrafen ein Produkt, von dessen Existenz ich nur wusste, weil ich im Lager mal gegen das Regal stolperte, in dem es zuzustauben pflegte.

Da auch sämtliche meiner gedanklichen Anstrengungen nicht dazu führten einen Kollegen zu identifizieren, der sich möglicherweise mit $Produkt auskannte, und ich mich somit hätte schnell wieder in meinen schönen Traum zurückretten können, der so unsanft unterbrochen wurde, fühlte ich mich bemüßigt dem Kunden zu helfen.

Nachdem ich alle mir wichtig erscheinenden Informationen notierte hatte und auch wusste, wie ich dem Kunden die Ergebnisse meiner Untersuchung zukommen lassen könnte, machte ich mich also auf ins Lager, um mich mit $Produkt vertraut zu machen.

Der Hustenanfall legte sich auch recht schnell, war ich doch so unachtsam und pustete kräftig in das Regal hinein, in dem ich $Produkt vermutete, was eine gar infernalische Staubwolke herbeirief, die mich sofort verschlang. Fündig geworden machte ich mich auch sogleich ans Werk die Probleme nachzustellen, nur um zu merken, dass es wohl ein lizenzrechtliches Problem sein könnte. Mit dieser Erkenntnis gewappnet, machte ich mich auf in die Abteilung Streichelzoo – so der interne Name für unsere Einkaufs- und Vertriebsabteilung – und ließ meine Frage vom Stapel. Dabei erwähnte ich auch den Namen und die Vereinsmitgliedschaft meines Anrufers.

Das irritierte Funkeln in den Augen meines Gegenübers machte mich sofort misstrauisch. Mein Vertriebler teilte mir mit, dass ihm der Name so gar nichts sagt. Wie mir. Nur dass das bei mir Normalzustand ist und ich mich für Kundennamen höchstens interessiere, wenn diese jung, weiblich und in mein Beuteschema passend aind oder ich wissen muss, wer als nächster Kandidat eine eigene Briefbombe verdient hat.

Also suchte mein Vertriebler in unserer Warenwirtschaft nach dem Kunden, um zu sehen, ob fehlende Lizenzen sein Problem sind, nur um festzustellen, dass dieser Kunde zu Zeiten, als es in Deutschland noch einen Kaiser gab und das Fernsehen noch nicht erfunden war, etwas bei uns bestellt hatte – da sag mal einer, bei uns würden Informationen verloren gehen – aber das gar nimmer das Produkt oder auch nur annähernd der Hersteller war, weswegen ich aus meinem imaginären Paradies gerufen wurde. Wer diesen wunderschönen Schachtelsatz gelesen hat, hat nun den Hauch einer Ahnung, wie ich mich just in diesem Moment fühlte.

Als ich schließlich meine Fassung wiedererlangt und die entgleisten Gesichtszüge sortiert hatte, bot mein Vertriebler dankenswerterweise an, sich fortan mit dem Störenfried auseinanderzusetzen. Denn nichts ist tödlicher als mich aus meinem Schlaf zu reißen, ohne dazu eine Berechtigung zu besitzen!

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