Übermacht gegen die Ordnungsmacht

Veröffentlicht: Montag, 06.12.2010 in Erlebnisse

Was sich einst vor meinem Küchenfenster abspielte, wäre reif für RTL gewesen. Zum Glück schaue ich gar nicht fern, geschweige denn habe ich eine entsprechende Apperatur dafür.

Aber zurück zum Erlebten. Ich komme frisch von der Arbeit und begebe mich in meine Küche, beziehungsweise das, was seinerzeit so tat, als wäre es eine, um den Kochlöffel fachmännisch zu schwingen. Dabei schweift mein Blick aus dem Fenster zur gegenüberliegenden Straßenseite. Genauer, dem Grünstreifen, der Straße und Gehweg voneinander trennt. Dort hatten es sich zwei offensichtlich Obdachlose auf einer Decke bequem gemacht und rings um sich ihre Leckereien von Feinkost Albrecht in Flaschenform fein säuberlich aufgereiht. So lagen oder saßen sie mal da, nahmen einen herzhaften Schluck aus der Pulle und unterhielten sich friedlich.

Ich fragte mich bereits, wie lange es in dieser wunderschönen, erzkonservativen Stadt wohl dauern wird, bis die zwei harmlosen und friedlichen Zeitgenossen dort Gesellschaft von unseren noch in Grün gekleideten Freunden und Helfern erhalten werden.

Es dauerte keine 15 Minuten. Mitten auf der Straße stehend, Warnblinker und blaues Discolight zum Besten gebend, stieg ein uniformiertes Männlein und ein ebensolches Weiblein aus. Die Handschuhe überziehend, gingen sie auf die beiden Vagabunden zu, welche schon fröhlich kicherten und man ganz genau erkannte, dass sie bereits wussten, was sie gleich erwartet. Freundlich, aber mit lauter und deutlicher Stimme, so dass sie durch den, doch nicht als gerade spärlich zu bezeichnenden, Verkehr der Hauptstraße gut zu vernehmen waren, forderte die Rennleitung die beiden auf doch ihre sieben Sachen zu packen und sich woanders niederzulassen. Möglichst ganz weit weg von dieser wunderschönen Stadt. Die beiden Herren erwiderten leise, sodass ich nur Wortfetzen vernehmen konnte, aber dennoch klar wurde, was sie sagten, dass sie doch niemanden stören würden und keinen Dreck machen. Die leeren Flaschen wanderten in der Tat sofort in die Reisetaschen mit dem Enblem des Discounters ihres Vertrauens. Doch die Ordnungsmacht zeigte sich dessen völlig unbeeindruckt und forderte die Beiden wieder lautstark auf, dass sie die Hufe in die Hand nehmen sollten. So ging es eine Weile hin und her, die Beiden lachten zwischendrin immer wieder fröhlich und irgendwann griff der männliche Vertreter von Law and Order zur Funke und schilderte der Zentrale, dass er es gerade mit extrem renitenten und gemeingefährlichen Wolkenschiebern zu tun hat. Eindeutig, zwei angetrunkene Tippelbrüder gegen zwei Gesetzeshüter, ein klares Kräfteverhältnis zu Gunsten der Heimatlosen. Deren Fahne musste wohl zum sofortigen Tod auf drei Meter Entfernung führen.

Die beiden Habenichtse schienen aber keine Lust auf eine echte Konfrontation mit den Augen des Gesetzes zu haben und einer stand auf und meinte deutlich hörbar zu seinem Kollegen „Komm, wir gehen hier. Die Leute hier gefallen mir nicht!“. Sprach’s, packte mit seinem Kumpel die Sachen zusammen und sie gingen anschließend ihrer Wege.

Und bevor einer fragt, ja, die beiden Vertreter von Recht und Ordnung haben recht blöd geglotzt und ich hatte wirklich Mühe meinem Lachanfall nicht lautstark Geltung zu verschaffen und deren Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen.

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Kommentare
  1. Tobi sagt:

    Das waren ja mal 2 Coole. :)

  2. June sagt:

    … ehrlich gesagt, pessimistisch oder nicht aber wir wissen ja: es geht bergab mit den Humanoiden ;)) …

  3. @Tobi

    Absolut grandios. Ich hab den ganzen Abend über geschmunzelt. Und besonders die Gesichter der zwei Rennleiter. Der Wahnsinn!

    @June

    Richtig, aber trotzdem haben wir Spaß dabei. Oder gerade deswegen? ;)