Stillstand ohne Prüfung

Veröffentlicht: Dienstag, 07.12.2010 in Kunden

Der Kunde Herr Mussnich hatte mich zu sich gerufen, da er ein neues Produkt, welches wir vertreiben, bei sich einsetzen wollte. Da Herr Mussnich Leiter der IT eines nicht geraden kleinen Industrieunternehmen war, durfte bei der Sache auch nichts schiefgehen.

Er selbst hatte bereits viel getestet und Erfahrungen gesammelt, wollte mich aber als Fachmann dabei haben, wenn das Produkt scharf geschaltet wurde. Nun war der Tag X gekommen, wir saßen gemeinsam bei schmackhaften Kaffee, Keksen und leckeren, belegten Brötchen in einem Konferenzraum mit großem Flachbild – die Sorte von Trümmer, die man locker in einem kleinen Kinosaal einsetzen könnte und den ich am liebsten gleich mitgenommen hätte – zusammen, besprachen letzte Details und wollten dann die Installation in einer wunderschönen ESX-Umgebung starten.

Ich bot an, nochmals alle Einstellungen im ESX zu überprüfen, um wirklich jegliche Fehler zu vermeiden. Doch Herr Mussnich winkte ab, er habe das bereits alles im Vorfeld übernommen und mehrfach geprüft. Mein nochmaliger Einspruch wurde wieder abgetan und ich erinnerte mich an die Anweisung des obersten Vertriebsgurus:

Des Kunden Wunsch ist sein Himmelreich!

Also fuhr ich fort und schaltete die Lösung scharf. Ich wollte gerade beginnen, die Überwachungsfunktionen des Produkts aufzurufen, als auf einmal sämtliche Beeper der anwesenden IT-Mannschaft infernalisch losjammerten. Die automatische Netzwerküberwachung hatte einen Broadcaststurm ausgemacht und das gesamte Unternehmensnetz, inklusive Produktion, stand still. Mit anderen Worten: Nichts lief mehr!

Nachdem Herr Mussnich einen olympiarekordverdächtigen Sprint zum Rechenzentrum in einem weit entfernten Gebäude hingelegt hatte, um den ESX-Server vom Netzwerk zu trennen und ich guten Mutes hinterher tapperte, um die Ursache lokal zu untersuchen – denn keine Netzwerkverbindung bedeutete auch kein Zugriff aus dem gemütlichen Konferenzzimmer mit dem leckeren Kaffee heraus – stellte ich fest, dass die Ursache des Problems eine falsche Konfiguration des ESX-Servers war.

Und die Moral von der Geschicht: Traue deinen Kunden nicht!

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