Es ist mir egal, was es kostet!

Veröffentlicht: Donnerstag, 09.12.2010 in Kunden

Es begab sich, dass ich bei einem langjährigen Kunden, der zuvor sämtliche Mitbewunderer – der politisch korrekte Neusprech für die unterlegene Konkurrenz – aufgrund seiner, sagen wir mal, temperamentvollen Art verschlissen hatte, einen Termin hatte.

Der Kunde, Herr Herzklap-Penabriss, hatte ein unerklärliches Problem, dass gewisse Dienste in seinem Netzwerk sporadisch nicht ansprechbar waren. Nun muss man dazu wissen, dass er ein paar Monate zuvor von uns eine wunderschöne, neue Firewall erworben hatte, die mein Kollege, der normalerweise Herrn Herzklap-Penabriss, betreut, und von uns liebevoll „Sanfter Riese“ genannt wird, eingerichtet hatte. Kollege Sanfter Riese ist nämlich der einzige Mensch auf Erden, der selbst beim Weltuntergang die Ruhe weg hat und sich durch wirklich nichts aus der Fassung bringen lässt. Dadurch war er prädestiniert für diesen Kunden, der explosiver als zwanzig Kilogramm Plutonium beim Erreichen der kritischen Masse ist, und mit dem sonst wirklich keiner auf weiter Flur etwas zu tun haben möchte. Und eben jene Firewall war in den Augen des Herrn Herzklap-Penabriss der Schuldige.

Da aber selbst mein Kollege gelegentlich Urlaub zu haben frönt, ging das große Los an mich. So stand ich dann im Foyer des Kunden, bewaffnet mit allem, was die Waffenkammer eines IT-Kämpfers in solch einem Fall hergibt und sondierte die Lage. Glücklicherweise nahm sich einer seiner Schergen meiner Person an und wir machten uns auf in die heiligen Kammern des Serverraums, in dem die vermeintlich böse Firewall verortet wurde.

Nachdem ich mein komplettes Arsenal an Lang- und Kurzstreckenwaffen abgefeuert hatte und im Grunde nur eines mit Sicherheit sagen konnte, nämlich dass die Firewall das einzige Teil im Kundennetzwerk ist, das nicht für die Probleme verantwortlich gemacht werden kann. Mein Verdacht ging eher in die Richtung eines Loopback auf einem der Switches – quasi eine Endlosschleife für die Daten, die da durch müssen –  die jedoch von dem Schergen des Kunden selber gewartet wurden und an die ich bloß keine Hand anlegen durfte, geschweige denn, dass ich das freiwillig getan hätte. Meine Erkenntnisse teilte ich dem Schergen mit, ließ mir noch mein „Auftrag ausgeführt“ von selbigem quittieren und düste eilig von dannen, um noch pünktlich zu Feierabend daheim zu sein.

Als ich am nächsten Morgen ins Büro kam, klingelte auch schon mein Telefon so infernalisch, dass ich am liebsten auf dem Absatz kehrt gemacht hätte, um mich wieder in meinem Bett zu verkriechen. Dummerweise hatte mich schon mein Häutpling erspäht, weswegen mein genialer Gedanke leider verworfen werden musste.

Also nahm ich den Anruf an und noch bevor das Headset richtig auf meinen Ohren saß, dröhnte es, lauter als jede A380-Turbine explodieren kann, mir entgegen, warum denn der „Mist“ (sic) immer noch nicht liefe und ich solle vorbeikommen und was anderes einbauen, es könne nicht sein, dass er immer noch nicht arbeiten könne und so weiter und so fort.

Herr Herzklap-Penabriss hatte bestimmt schon die Temperatur in Europa um 1°C erhöht, als ich endlich mal zu Wort kam und ihm meine Erkenntnisse zu Protokoll gab. Statt nun ob meiner begnadeten Diagnosefertigkeit vor Ehrfurcht zu erstarren und mir zu huldigen, föhnte er gleich wieder los, dass ihm das sein Scherge bereits mitgeteilt hätte und das nicht sein könne, schließlich hätten sie nichts verändert seither und das kann ja nur das „Gelumpe“ (sic) sein, das wir ihm da eingebaut hätten. Er will uns ja auch keine Schuld für geben, dass die „Drecksbüchse“ (sic) nicht tut, und wir können gerne auch was besseres einbauen.

Es ist mir egal, was es kostet! Hauptsache ich kann wieder arbeiten. Und zwar so schnell wie möglich!

Ich sehnte mich unendlich nach meinem Kollegen Sanfter Riese, aber es half nichts. Also bot ich dem Kunden verschiedene Alternativen an und nach einem Meisterwerk der Deeskalationskünste, das mir eigentlich den Friedensnobelpreis hätte sichern sollen, statt Barrack Obama, fuhr ich noch am selben Tag vor, diesmal mit einem Azubi im Gepäck, und baute eine andere Firewall ein. Als ich nach erfolgreichem Einbau und Konfiguration erstmal meine Visitenkarte in des Kunden Toilette entledigte, hörte ich schon wieder das Explodieren einer Atombombe aus Richtung des Serverraums.

Da mir Schlimmes schwante und ich mir dieses Jahr keinen weiteren Azubi mit Status K.I.A. leisten durfte, beeilte ich mich so schnell wie möglich zurück in die inzwischen neu gegründete atomare Wüste des Serverraums zu kehren. Dort empfingen mich die Gebeine meiner Aushilfe zum Bierholen und ein fröhlich vor sich hinexplodierender Herr Herzklap-Penabriss. Seine Zielerfassung richtete ihr Feuer auch gleich auf mich und so erging über mich eine Kanonade, was ich denn hier wieder für einen „Müll“ (sic) einbauen würde, ob wir nichts anständiges verkaufen könnten und überhaupt.

Gedanklich orderte ich schon den Jahresvorrat einer Großklinik an Valium, nur um nicht selbst in einem Atompilz zu ergehen, da durfte ich endlich meine Verteidigungsrede erheben. Ich erklärte unserer Atombombe auf Beinen, dass auch die neue Firewall bereits wie ihre Vorgängerin klaglos ihren Dienst verrichtete und ob er meiner langjährigen Erfahrung als IT-Kämpfer endlich mal Gehör schenken möchte. Gegen einen kleinen Aufpreis würden wir gleich beginnen sein Netzwerk zu untersuchen, da der Fehler eindeutig dort liegen müsste.

Er führte zwar an, dass der Grund darin nicht liegen könne, da seine Leute das Netz voll im Griff hätten – nach der mir bekannten Dokumentation des Netzwerkes hatte ich jedoch sehr gesunde Zweifel daran – doch ich möge mein Glück versuchen. Bezahlen würde er aber nur, wenn ich auch etwas finden würde.

Drei Stunden später war Herr Herzklap-Penabriss um ein kleines Vermögen leichter und in seinem Netzwerk befand sich ein Loopback weniger an seinen Switchen.

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