Weg war er

Veröffentlicht: Montag, 13.12.2010 in Kunden

Für gewöhnlich werde ich ja zum Essen eingeladen, wenn ich mich zur Mittagszeit bei einem Kunden aufhalte. Eher selten ist dies nicht der Fall, jedoch wird mir dann stets angeboten an dem üblichen Mittagsritual in Form von amerikanischen Feinkostspezialitäten oder Willi’s (sic!) Imbissbude teilzuhaben. Auf eigene Kosten versteht sich.

Es begab sich, dass ich zum ersten Mal bei meinem Kunden Herr Feuer, mit dem ich zwar schon jahrelang fernmündlich und -schriftlich Kontakt hatte, vor Ort war. Dort begleitete ich den Rollout einer Softwarelösung auf alle Arbeitsplätze. Diese kleine quasi-Behörde – sie sind zwar keine, aber sie verhalten sich exakt so – hatte auch pünktlich um 12 Mittag. Dies merkte ich daran, dass Herr Feuer folgende Worte von sich gab:

Oh, bereits 12. Jetzt aber schnell zum Mittagstisch!

Sprach’s und verschwand durch die Bürotür. Als ich keine 5 Sekunden später ihm durch selbige folgte, war auf dem recht langen Flur weit und breit keine Spur mehr von ihm zu erblicken. Mein Ruf nach ihm verhallte ebenso ungehört auf dem Flur. Auch in den anderen Büros war kein Lebenszeichen mehr aufzuspüren.

So saß ich da, hungrig, verlassen und völlig ortsunkundig. Hätte ich nicht bereits morgens im Hotel üppig gefrühstückt, ein schneller Hungertod wäre mir sicher gewesen.

Exakt eine Stunde später stand Herr Feuer völlig unbeeindruckt im Türrahmen und machte da weiter, wo er zuvor sein Tagewerk unterbrochen hatte.

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