Ein paar Gedanken zu Virenscannern

Veröffentlicht: Donnerstag, 16.12.2010 in Erlebnisse, Gedanken, IT

In einem vorherigen Kommentar zum Artikel „Wenn der Virenscanner spinnt“ fragte mich Marius, welchen Virenscanner ich denn einsetze.

Privat hielt mir jahrelang AVG die Treue, bis diese inzwischen auch zu einer derartigen Bloatware wurden, dass ich vor einiger Zeit den Wechsel zu den Microsoft Security Essentials vollzog. Bis auf den bekannten Focus-Stealer-Bug bin ich seither hochzufrieden. Wenn MSE 2 diesen Bug hoffentlich behebt, bin ich wunschlos glücklich. Eine schöne, kleine AV-Lösung, die sich vornehmen im Hintergrund hält, durch bezeichnend geringe CPU-Nutzung hervorsticht und auch nicht besser oder schlechter als die Konkurrenz scannt. Und bei mir stellt sowieso ein Virenscanner nur noch die letzte Verteidigungslinie dar. Zusätzlich scanne ich den Rechner regelmäßig mit Hilfe der guten desinfec’t-Live-CD des Heise Verlags. All dies kann natürlich nicht einen entsprechend vorsichtigen und sicherheitsbewussten Umgang mit dem Rechner und speziell dem Internetzugriff ersetzen, doch gibt es eine gewisse Sicherheit.

Auf meinem Firmennotebook läuft hingegen derzeit der OfficeScan Client von Trend Micro. Mein Notebook ist nicht zuletzt wegen mangelndem Kontakt mit einem entsprechenden Entfernungsgerät etwas angestaubt, sondern hat auch sein bestes Jahr schon lange überschritten. Dennoch ist es den meisten meiner Aufgaben gewachsen. Wenn ich jedoch mit aktiviertem Antivirus das gute Stück aus dem Schlaf wecke, beschäftigt sich nach dem Anmelden der Scanner erstmal gute ein bis zwei Minuten das System, bevor er mich arbeiten lässt. Wenn ich jedoch ganz böse bin und den Client vorher deaktiviere, dann ist das System sofort ansprechbar. Im späteren Betrieb jedoch sind die Unterschiede kaum merkbar.

Man könnte jetzt natürlich den Schluss ziehen, dass wohl klar die MSE hier die Nase vorn hätten, doch weit gefehlt. Fehlt es ihnen doch an vielen, wichtigen Dingen, die im geschäftlichen Umfeld essentiell sind. So kann ich durch den OfficeScan zentral die Konfiguration verwalten und durchsetzen, ohne dass die normalen Benutzer, die keine Adminrechte auf ihren Firmennotebooks haben, diese umgehen können. Ärgerlich, aber will man wirklich einen Vertriebler draußen beim potentiellen Neukunden wissen, der durch vermehrten Wurmbefall von sich reden macht und man weiß, der Vertriebler könnte just in diesem Moment den Antivirensoftware ausgeschaltet haben, weil sich sonst die lustige Powerpoint des Kunden nicht öffnen lässt? Oder gar, dass dieser dort ohne in den OfficeScan integrierte Firewall dasteht, die außerhalb der Firma sofort alle Schotten dicht macht, sodass der Wurm gegen die virtuelle Wand rennt, während der Vertriebler gemütlich im WLAN des Kunden unterwegs ist? Ich hätte da schlaflose Nächte, wenn ich mir so manchen Vertriebskollegen anschaue.

So wie also offensichtlich unterschiedliche Anforderungen an einen Virenscanner bestehen, genauso unterschiedlich mag die richtige Lösung dafür lauten. Während also für meine privaten Zwecke die MSE mehr als ausreichend sind, so bin ich froh, dass ich den OfficeScan auf meinem Firmennotebook habe. Denn wenn ich mir privat trotzdem einen Virus einfangen sollte, dann setze ich meinen Rechner eben neu auf und hoffe, dass ich schnell genug meine Kreditkartendaten gesperrt und sämtliche relevanten Passwörter geändert habe.

Wenn ich aber meinen Firmenrechner zur Wurmschleuder umfunktioniere, bin ich froh, wenn ich meinem Häuptling das Log unter die Nase halten kann, dass der OfficeScan hier wohl nicht so fleissig war, wie er sein sollte. Und das erspart mir dann auch, dass dieser mich eigenhändig kopfüber über die Eingangstür nagelt – und zwar an einer sehr schmerzhaften Stelle!

Der beste Virenscanner ist also der, der dem eigenen Einsatzzweck am ehesten entspricht. Wenn man dann noch den Rechner entsprechend sicherheitsbewusst benutzt, hat man schon viel getan, um das Risiko für sich zu minimieren. Absolute Sicherheit bleibt dennoch eine Illusion. Und daher ist der Hersteller des Scanners auch letztlich egal.

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Kommentare
  1. cyberjoker sagt:

    Hi,

    auch ich lese hier still mit.
    Ich finde es interessant was andere Leute so in ihrem Beruf erleben, bei momentan 32 von mir gelesenen Bloggs fehlt mir dann aber doch die Zeit regelmäßig Kommentare zu schreiben.
    Ansonsten ist Dein Blogg interessant und gut geschrieben. Sonst wäre ich auch schnell wieder weg…

    LG,
    cj

  2. @cyberjoker

    Geht mir nicht unähnlich. Ich verfolge auch sehr viele Blogs, bei denen ich eher selten kommentiere. Aber ich sehe eben ein anerkennendes, konstruktiv kritisierendes oder auch mal humoristisches Kommentar als den Preis, für das, was mir angeboten wird.

    Und deswegen hoffe ich, dass ich dich weiterhin ansprechen kann und dadurch dich ab und an zu einem Kommentar verleiten.