So soll es immer sein

Veröffentlicht: Freitag, 28.01.2011 in Kollegen

Es war einer dieser Tage, an denen jedes Klingeln des Telefons den bereits unbezwingbaren Stapel an Arbeit vergrößerte, der noch am selben Tag zu erledigen war. Zusätzlich war durch einen hohen Krankenstand nur eine Notfallmannschaft anwesend. Wie ich Grippewellen und Murphy hasse!

Um also nicht völlig unterzugehen und alle Kunden vor den Kopf zu stoßen, schnappte ich mir den Lehrling Frederik Leißig, und beauftragte ihn einige Hardwareappliances für einen Kunden fertig zu konfigurieren. Diese mussten unbedingt bis zu einer gewissen Uhrzeit fertig sein, weil ansonsten der Paketbote gnadenlos ohne diese den Hof verlassen würde. Seine knappe Reaktion daraufhin:

Geht klar!

Als pünktlich zum regulären Feierabend wenigstens die Telefone mir etwas Luft zum Atmen ließen, hatte ich die Hoffnung, noch vor Mitternacht die geheiligten Hallen des Brötchensponsors zu Gunsten meines Bettes verlassen zu können.

Gegen 21 Uhr nahm ich schemenhaft eine Gestalt wahr, die entfernte Ähnlichkeiten mit unserem Häuptling hatte und die mir eine große Pizza ins Büro schob.

Ich schaffte es dann sogar fast pünktlich zur Geisterstunde, wenn man diese ausnahmsweise auf 2 Uhr verschiebt, endlich zu flüchten und mein Bett zu bekuscheln.

Als ich ausgeruht pünktlich zur Mittagspause am nächsten Tag im Büro aufschlug, lief mir Frederik quasi direkt in die Arme. Ich entsann mich seines Auftrags und fragte nach, ob auch alles geklappt hätte, da er sich nach Erteilung nimmer blicken ließ. Mit entsetzter Miene und dem Tonfall absoluter Entrüstung, als ob ich ihn gerade aufs übelste beleidigt hätte, antwortete er:

Ich hab dir doch gesagt, dass ich das erledige. Die Kisten gingen pünktlich und fertig konfiguriert raus. Ich hab extra noch eine bebilderte Anleitung für den Kunden angefertigt, wie er die zu verkabeln hat.

So mag ich meine Azubis. So soll es immer sein!

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Kommentare
  1. idriel sagt:

    Vorbildlich! Wo habt ihr denn den rekrutieren können?

  2. @idriel

    Den habe ich mit der Lupe unter einem Stein gefunden. War am Anfang ein extrem ungeschliffener Rohdiamant und jeder schaute mich komisch an, warum ich den genommen habe.

    Inzwischen ist der Gute einer der qualifiziertesten Kollegen, den wir haben. Und gerade fällt mir noch eine schöne Anekdote ein, die ich sofort zu Text bringe.

  3. Silberaugen sagt:

    Wirklich vorbildlich. Ich wäre auch sehr angetan von ihrem Azubi :D

  4. @Silberaugen

    Hat mich aber viel Prügel… erm pädagogischen Einsatz gefordert, um den so ordentlich hinzubiegen.