Wenn der Häuptling auf Reisen geht

Veröffentlicht: Freitag, 04.02.2011 in Kollegen

Unser Häuptling stürmte fröhlich strahlend ins Büro und teilte freudig mit, dass er gleich zu einer schönen Partnerkonferenz in den sonnigen Süden fliegt. Und das, ohne mich mitzunehmen, während hier das Thermometer -11°C zeigte und seit Tagen Schnee den Anblick dominierte.

Gut erzogen und um unsere finanzielle Unversehrtheit bemüht, heuchelten wir natürlich Mitfreude und wünschten uns innerlich an seiner statt.

Doch just in diesem Moment setzte der erste Schreck bei ihm ein, er hatte seine Smartcard für den VPN-Client vergessen und er musste gleich los Richtung Flughafen. Die Rettung in der Not nahte in Form meiner Person, und ich stellte ihm einfach eine Ersatzkarte aus. Geht zwar nach meinem offiziellen Bekunden nicht, aber das behaupte ich nur, um nicht ständig Ersatzkarten ausstellen zu dürfen.

Glücklich gerettet machte er sich auf den Weg gen Flieger und ich freute mich meines weiteren Arguments für die nächste Gehaltsverhandlung. Was bin ich stets so selbstlos.

Keine Stunde später klingelte mein Telefon. Das Display verriet, dass Häuptlings Mobiltelefon den Kontakt mit mir suchte.

Das war aber mal ein schneller Flug bei dir.

Mit diesen leicht sarkastisch angehauchten Worten begrüßte ich ihn und hörte nur ein Grummeln. Danach bat mich der Führer unseres Stammes, ich möge in sein Büro gehen und seinen Schlüsselbund sicherstellen. Und ob ich die grenzenlose Güte hätte, am Wochenende des Nächtens Zuhause statt bei hübschen jungen Frauen im Bett zu verbringen, um ihm den Schlüssel auszuhändigen, wenn er aus sonnigeren Gefilden zurückkehrt. Sein geliebtes Eheweib sei unterwegs mit ihrem Geliebten oder ähnlichen Gestalten und er möchte doch in seinem Bett nächtigen.

Und grins nicht so!

Diese Worte waren der Abschluss seiner Bittstellerei. Woher auch immer er wusste, dass ich gerade versuchte meine Ohren zu verschlucken?

Wie dem auch sei, ich versicherte ihm, dass ich Zuhause,  zumindest rudimentär ansprechbar und in der Lage sei, ihm seinen Schlüssel auszuhändigen, wenn er bei mir klingelt. Nach Ende des Gesprächs war mein Lachen in der ganzen Firma zu vernehmen.

Es kam die Minute seiner Rückkehr und des Begehrs um Einlass sowie Aushändigung seines Schlüssels. All dies tat ich wie versprochen, breiter als ein Honigkuchenpferd auf Rauschmittel grinsend. Er verließ mich nach ein wenig Smalltalk auch geschwind, mit seinem Hausschlüssel, nicht jedoch ohne eine große Flasche vergorenen Traubenssafts exzellenter Qualität bei mir zurückzulassen. Eine faire Entschädigung dafür, dass ich nicht auf Piste sein konnte.

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Kommentare
  1. Peter Siepe sagt:

    Und grins nicht so! <- oh wie ich das kenne wenn ich Hauptapparat saß und Cheffchen
    anrief und ich ihm die Magen-Darm-Grippe anhand der Geräuschkulisse glaube ^^

  2. @Peter Siepe

    Ich kann mir das gerade akustisch wunderbar vorstellen.

  3. Andrea sagt:

    „Es kam die Minute seiner Rückkehr und des Begehrs um Einlass sowie Aushändigung seines Schlüssels. All dies tat ich wie versprochen, breiter als ein Honigkuchenpferd auf Rauschmittel grinsend.“ Ein lustiger Vergleich, ähnlich wie dieser hier: „Der/die geht ja ab, wie ein Duracell Hase auf Ecstasy.“

    Herzliche Grüße

    Andrea