Nur mal eben Wäsche waschen

Veröffentlicht: Montag, 09.01.2012 in Erlebnisse

Es begab sich neulich, dass ich mal wieder mit einem großen Korb voll Schmutzwäsche den Waschkeller aufsuchen musste, da ich persönlich jedes technische Gerät in meinem Haushalt und den damit assoziierten Räumlichkeiten selbst zu bedienen pflege. Mein Häuptling würde jetzt einfach behaupten, ich sei nur zu geizig für eine Haushälterin.

Da ich mich zum Mittagessen zuvor reichlich selbst beglückt hatte – es gab als Vorspeise eine Zwiebelsuppe, danach ein Rumpsteak mit ordentlich Schmorzwiebeln und Bratkartoffeln, begleitet von einem Bohnensalat – traf mich eine leichte Unpässlichkeit im Verdauungstrakt. Verstohlen blickte ich mich um und lauschte, ob noch jemand in der Nähe war. Meine Wahrnehmungsorgane signalisierten mir jedoch, dass die Luft sauber war – noch möchte man fast sagen – und ich somit meinen allerbesten Zaubertrick vollführen konnte. Ich schwöre euch nackend in die Hand, wäre die Farbe an der Decke nicht schon vor einiger Zeit vollständig abgeblättert, spätestens jetzt wäre es soweit gewesen.

So befüllte ich meine Waschmaschine, versorgte sie noch mit Waschpulver und Weichspüler und stellte das Fenster auf Kippstellung. Zwar rechnete ich nicht mehr damit, dass einer meiner Nachbarn an einem Sonntagnachmittag so bekloppt wie ich sei und seine Wäsche waschen möchte, aber man ist ja schließlich gut erzogen.

Doch der Teufel ist bekanntlich ein Eichhörnchen und ehe ich mich versah, stand schon Alfriede Teschrulle, eine meiner Nachbarinnen und die selbsternannte Wächterin über Recht und Ordnung im Haus, im Türrahmen.

Herr Maskierter, ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass es öfters hier unten stinkt?

Ich versuchte möglichst sparsam zu schauen, zuckte mit den Schultern und antwortete schlicht:

Nö?

Demonstrativ schnuppernd kam sie auf mich zu und ich ahnte Böses. Und meine Vorahnung wurde nicht enttäuscht, als Frau Teschrulle urplötzlich das Gesicht verzog und triumphierend ausrief:

Hier, genau hier rieche ich es wieder!

„Ruhig bleiben, nur die Fassung bewahren und ja nicht die Gesichtsfarbe wechseln. Du bist doch ein Profi in unangenehmen Situationen“, sagte ich innerlich zu mir. So ging ich ebenfalls schnüffelnd auf sie zu und ich muss sagen, das Konglomerat aus Bohnen und Zwiebeln fiel eindeutig unter die Genfer Konvention. Kurz vor meiner Nachbarin kam ich zum Stehen und sagte:

Jetzt rieche ich es auch. Schauen Sie mal, wir stehen genau über dem Abfluss. Da muss das wohl herkommen.

Rettung in letzter Sekunde. Oh Mann, das hätte peinlich enden können. Und alles nur, weil man sich fünf Minuten unbeobachtet wähnte.

Ah, Recht haben Sie! Da muss ich mal unbedingt mit der Hausverwaltung reden. Das geht ja nicht an, dass das immer hier so erbärmlich stinkt, wenn jemand Wäsche wäscht. Da muss wohl eine tote Ratte oder so drin verwesen.

Ich stimmte ihr voll umfänglich zu, wünschte ihr noch einen schönen Sonntag und verdrückte mich schnell in meine heiligen Hallen.

Die Handwerker, die ein paar Tage später von der Hausverwaltung geschickt wurden, konnten auch keine Ursache für den Geruch ausmachen, wie mir Frau Teschrulle bei einer „zufälligen“ Begegnung während meiner Heimkehr von der Arbeit gegen 22 Uhr ausführlich im Hausflur berichtete. Sie werde sich aber auf die Suche nach der toten Ratte oder Maus oder welches Viech das auch immer war machen, da ihr der Geruch wie Verwesung vorkam. Ich wünschte ihr viel Erfolg bei ihrem Vorhaben und höre sie seither regelmäßig durch den Waschkeller streifen auf der Suche nach verwesenden Tieren.

Und die Moral von der Geschicht‘, im Waschkeller furzt man besser nicht; zumindest bei einem solchen Wachhund.

Kommentare
  1. LadySolana sagt:

    Gemein wäre nun wirklich ein verwesendes Tier zu verstecken um ihr ein Erfolgserlebnis zu gönnen.
    Wobei ich mir lieber keine Gedanken über die Ausbreitung des Gestanks und der Beschaffung des toten Tieres mache….

  2. @LadySolana

    Auf der anderen Seite dürfte mir nie wieder ein Unfall beim sonntäglichen Wäsche waschen nach dem Verzehr von verdauungsintensiven Substanzen passieren, ansonsten durchschaut die Dame noch was.

  3. LadySolana sagt:

    ach einfach zum verdauungsfördernden Essen noch ein stinkendes totes Tier besorgen, dann merkt sie nie was und du hast deinen Spass

  4. @LadySolana

    Auf der anderen Seite würde ich mich dann ja auch selbst schädigen, da ich ja nur gegen mein eigenes Gift resistent bin. Aber die Idee hat was diabolisches, stimmt schon.

  5. Andrea sagt:

    „Mein Häuptling würde jetzt einfach behaupten, ich sei nur zu geizig für eine Haushälterin.“ *looooooool* Gut gekontert in Bezug auf die Alte Schrulle. *looooool*

    Mal auf der Arbeit, mal in der Waschküche – *nasenklammer aufsetz* – ;) ;) ;) ;)

    Sollte es irgendwann einmal passieren, dass wir uns persönlich kennenlernen (was ja nicht unmöglich ist), dann weiß ich, jetzt schon nach wem ich Ausschau halten muss: Nach einem Maskierten mit einem „toten Tier“ in der Nähe des Verdauungstraktes . ;) ;) ;) ;)

    VhG

    Andrea

  6. Andrea sagt:

    „So ging ich ebenfalls schnüffelnd auf sie zu und ich muss sagen, das Konglomerat aus Bohnen und Zwiebeln fiel eindeutig unter die Genfer Konvention. “ *looooooooool* Bohnen, Zwiebeln und Kartoffeln – kein Wunder, dass deine Verdauung 1a funktioniert. ;)

    VhG

    Andrea

  7. @Andrea

    Keine Sorge, die einzige Geruchsbelästigung, die ich sonst von mir gebe, ist mein Rasierwasser. Zumindest, wenn ich davon ausgehe, dass ich sonst niemanden in gesundheitliche Nöte bringe.

  8. Wie hieß es früher so schön:

    Hab Sonne im Herzen
    und Zwiebeln im Bauch,
    da lässt sich gut pusen
    und riechen tuts auch

    ;)

  9. Leser sagt:

    Dann pass bloß auf, dass Frau Teschrulle dich nicht mit einem Bläh-Boy-Heft erwischt :-)

  10. @brombeerfalter

    Hach ja, die großen Philosophen und Denker der vergangenen Zeit. ;)

    @Leser

    Mist! Die abonnierten Hefte liegen immer so auf dem Präsentierteller, wenn sie per Postboten kommen. Besser mal künftig zum Brötchensponsor liefern lassen, wobei… :D

  11. Andrea sagt:

    Oh, Rasierwasser find ich jetzt nicht so schlimm. – Ich gehe davon aus, dass du lieber Maskierter,selbiges auch verwendest. – Nichts ist schlimmer, als männliche Wesen, die nach dem Endprodukt von Zwiebeln etc. „duften“.

    VhG

    Andrea

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