Nein!

Veröffentlicht: Montag, 13.08.2012 in Kunden

Sabine Feger hatte es sich in meinem Büro bequem gemacht und wir quatschten gerade gemütlich über die Vorzüge von Wasserbetten. Sie selbst war schwer von ihrer Kaltschaummatratze angetan und konnte nicht glauben, dass ich – der zuvor auch auf einer solchen geschlafen hatte – trotzdem dem Wasserbett den Vorzug gab, zumal sie noch nie in einem solchen gelegen hatte. Ich wollte gerade meine Hausregel Nummer 1 „Wildere nicht im Firmenwigwam“ über Bord werfen und sie zum Probeliegen einladen, da rettete mich das Klingeln des Telefons.

Die automatische Anruferidentifizierung rief mir die Daten von Volker de R’Pfosten auf den Schirm. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in meinem Bauch aus, während ich mir das Headset überstreifte und der bezaubernden Heckansicht Sabines nachsah, die sich schon auf dem Weg zurück in ihr Büro befand.

Der Maskierte von der Firma Brötchensponsor höchstpersönlich am Apparat. Ich wünsche Ihnen Pest und Cholera. Wie darf ich Sie hassen?

Völlig unbeeindruckt erwiderte Volker meinen Nicht-Gruß und stellte seine Frage. Er hatte unser schönes Produkt Brötchenbringer parallel zu der Software eines unserer Marktbewunderer installiert und wollte nun wissen, wie er die Datenübergabe aus dem Berechnungsmodul an unser Verarbeitungsmodul hinbekommen würde. Meine überaus präzise und extrem ausführliche Antwort lautete:

Das geht nicht.

Volker meckerte sogleich los, dass wir doch unser Produkt als kompatibel zum Produkt des Marktbewunderers bezeichneten und warum das dann jetzt nicht ginge. Er hätte das Produkt nur deswegen überhaupt gekauft und wenn das nicht geht, will er sein Geld zurück.

Herr de R’Pfosten, in allen unseren Unterlagen weisen wir explizit darauf hin, dass wir nur die Anbindung der Clientsoftware unseres Marktbegleiters an unser Backend unterstützen. Die Berechnungen und weitere Datenverarbeitung muss aber durch unsere Software erfolgen.

Man hörte am anderen Ende der Leitung die Zahnräder arbeiten. Ich nutzte diese Pause, um meine Kaffeetasse in einem großen Zug zu leeren.

Aber ich kann doch in $Marktbewunderersoftware angeben, auf welchem Server sich das Verarbeitungsmodul befindet. Und wenn ich dann einfach nur den Port abändere, so dass er zu dem von Ihrer Software verwendeten passt, dann sollte das doch gehen.

Mein Kopf krachte auf den Tisch und zertrümmerte beinahe meine Tastatur. Immerhin, er hatte unser Handbuch gelesen und wusste, welchen Kommunikationsport wir standardmäßig zwischen den Modulen verwenden, aber ansonsten war er wohl von selektiver Blindheit beschlagen, besonders was das Kapitel über die Anbindung von $Martkbewunderersoftware anging.

Nein, das wird nicht funktionieren. Wir sprechen ein anderes Protokoll zwischen den Modulen als $Martkbewunderer. Einzig die Clients können direkt mit unserem Clientmodul kommunizieren.

Doch auch diesen Einwand ließ er nicht gelten:

Das muss doch gehen, wenn Sie auch die Clients anbinden können.

Sprach ich chinesisch? Bevor ich mir wieder vergebens den Mund fusselig redete, erinnerte ich mich an die Order „Einfache, aber bestimmte Ansagen“. Mit einem autoritären und bestimmten Unterton antwortete ich schlicht:

Nein.

Aber …

Nein!

Die Clients …

Nein!

Wirklich?

Wirklich.

Okay, dann geht das wohl nicht.

Endlich sah er es ein. Ich bestätigte ihm noch einmal seine Erkenntnis und verabschiedete ihn, ehe er es sich anders überlegen konnte. Danach wollte ich nur noch schlafen.

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Kommentare
  1. breakpoint sagt:

    Tja, die Kommunikationsprotokolle! Und vor allem bei Layer 8 hat’s gehakt.

    Welcome back, Maskierter!

    P.S: Wasserbetten sind schön entspannend, solange man sie nur zum Schlafen nutzt.

  2. @breakpoint

    Ich kam aber nicht umhin den Einfallsreichtum und die Kreativität des Kunden ein wenig zu bewundern.

    Und ich finde, Wasserbetten sind für jede Art des Schlafs sehr entspannend, wenn man weiß wie.

  3. Leser sagt:

    Hat es irgendetwas zu besagen, dass mir beim Thema „Wasserbett“ als erstes der Garfield-Kommentar „never sharpen your claws on a water bed“ in den Sinn kam? (Falls jemand den gesamten Comic-Strip nachlesen möchte: Es ist der vom 1.12.1979)

  4. @Leser

    Freud würde jetzt einen nicht aufgearbeiteten Mutterkonflikt anführen, aber hat Freud je was anderes angeführt?

  5. wunschleben sagt:

    Müssen wir Dich nun bemitleiden???
    Ehrlich gesagt nicht, sonst haben wir ja nichts mehr zu lesen, wenn Du Dich nicht über die ganzen DAU aufregst…
    ;)

  6. mm. sagt:

    @wunschleben: Ja, das ist für uns Leser etwas schwerer… Bemitleiden auf jeden Fall, aber (nur) auf eine Minderung der Idioten und Idiotien hoffen, ist so ein Mittelweg zwischen Sympathien für den göttlichen Maskierten und Interesse an seinen Geschichten ;)

  7. @wunschleben

    Mitleid bekommt man geschenkt, aber Neid muss man sich aufrichtig verdienen. Insofern beneidet mich lieber.

    Und sollte der Tag kommen, dass die DAUs einem Virus zum Opfer fallen – ich leugne jede Beteiligung – bleibt immer noch die Politik als Betätigungs- und Aufregungsfeld.

  8. wunschleben sagt:

    Dann bin ich mal neidisch auf dich und die DAU mit denen du Dich rumschlägst, da bietet einem das Leben wenigstens ab und an etwas Situationskomik… ;)

  9. @wunschleben

    Fühlt sich gleich viel besser an. ;)

  10. Ex-Admin sagt:

    Hier mal die virtuelle heilige Handgranate. Hilft garantiert immer ;-)

  11. homer sagt:

    in solchen Situationen nenne ich einfach einen Preis für die Realisierung – geht nicht gibts nicht – leider können Sie es sich nicht leisten…. und wenn doch – für so viel Geld machen wir alles… Neid muss man sich verdienen :-)

  12. @Ex-Admin

    Manchmal wäre mir eine reale Handgranate – sie muss nichtmal heilig sein – lieber. ;)

    @homer

    Prinzipiell keine schlechte Idee, aber dann erschlagen mich Vincent und seine Kollegen.

  13. Leser sagt:

    Ich dachte, Vincent Egetarier sei wegen seiner Mangelernährung gar nicht in der Lage, den Maskierten zu erschlagen. :-)

  14. @Leser

    Entweder würde er extra dafür 10 große Steaks – blutig – verdrücken, oder er macht es wie so oft, dass er das an seine Untergebenen weiterdelegieren würde und bei der Ausführung die Aufsicht führt und Anweisungen gibt.