Die Entscheidung

Veröffentlicht: Freitag, 14.09.2012 in Erlebnisse

Nachdem ich euch schon den Mund wässrig gemacht habe und dazu brachte, pausenlos auf aktualisieren zu klicken, in der Hoffnung die Auflösung für meinen derzeitigen Zustand zu erfahren, kann ich heute, nachdem die Tinte trocken und der Kuchen sprichwörtlich gegessen ist, darüber berichten.

Vor einiger Zeit trat ein international sehr bekannter IT-Mischwarenkonzern an mich heran, und bot mir eine – fast schon als obszön zu bezeichnende – Menge Geld an, damit ich künftig dort meine Nerven vergeudete und die SEs – neudeutsch für Systems Engineer, auch Techniker genannt – in Deutschland flott mache. Dies hätte jedoch erfordert, dass ich in eine Stadt in Deutschland ziehe, in der ich eigentlich nichtmal tot überm Gartenzaun hängen möchte.

Quasi zeitgleich trat mein alter Häutpling an mich heran, der mich Anfang vergangenen Jahres hatte gehen lassen müssen, da aufgrund des Größenwahns des zweiten Geschäftsführers das Unternehmen schwungvoll vor die Wand gesetzt wurde. Kurze Zeit nach meinem Abgang wurde die Insolvenz angemeldet. Er bot mir eine Stelle in seinem neu gegründeten Unternehmen an und war auch bereit, meine Gunst mit sehr vielen Brötchen zu erschleichen, jedoch deutlich weniger als der IT-Konzern. Da hierfür auch kein Wohnortwechsel zwingend erforderlich wäre, obgleich das neue Firmenwigwam sich in der Stadt befindet, in der ich sowieso gerne wohnen würde, nur bisher zur Vermeidung größerer Pendelwege noch nicht gezogen war, war dieses Angebot ebenfalls sehr reizvoll.

Da  sich mein jetziger Brötchensponsor in der bisherigen Zeit mir gegenüber absolut fair und korrekt verhalten hatte, erbat ich mir ein Gespräch und klärte ihn über die beiden Angebote auf, woraufhin dieser sofort zum Portemonnaie griff und bereit war, die monatliche Brötchenmenge auf die gleiche Höhe wie die meines alten Häuptlings zu bringen. Darüber hinaus würde es noch ein paar angenehme Extras geben, die ihren ganz eigenen Charme verströmten.

Bei allen drei erbat ich mir Bedenkzeit bis vergangenen Montag, bevor ich mich endgültig entscheiden würde. Und so saß ich da und überlegte, so denn ich Zeit zu hatte, welches Angebot ich denn nun nehmen würde.

Im Falle des Konzerns hätte ich die Abteilungsleitung übernommen, eine Handvoll Indianer unter mir, und in der Summe ein recht feines Leben für einen Berg Schotter. Allerdings müsste ich an einem Ort leben, der mir zutiefst zuwider ist.

Im Falle meines ehemaligen Häuptlings würden große freundschaftliche Bande, heftige Firmenpartys und die Freiheit, meine Abteilung so aufzubauen, wie ich das für richtig befände, für sich sprechen. Gleichzeitig könnte ich endlich in der Stadt leben, die es mir schon seit Jahren angetan hat, die ich aber bisher aufgrund des Pendelwegs und dem damit verbundenen Zeitverlust dann doch lieber nur gelegentlich besuchte. Schmankerl am Rande: Die Person, die hinter dem Außerirdischen steht, wäre ebenfalls mit von der Partie. Dem entgegen stünden erstmal die nächsten Jahre exorbitante Arbeitszeiten, viel zu wenige Mitarbeiter und erstmal keine Azubis mehr zum Foltern, weil für diese partout keine Zeit übrig wäre. Außerdem müsste ich erstmal wieder auf einen Firmenwagen verzichten.

Im Falle meines jetzigen Brötchensponsors würde ich finanziell zumindest mit dem Angebot des alten Häuptlings gleichgestellt und hätte ein deutlich laueres Leben. Ich könnte weiterhin eine geringe Anzahl von Azubis durch die Gegend scheuchen, hätte mehr Urlaub und eine Garantie, meine Überstunden regelmäßig abfeiern zu können. Außerdem ist die jetzige Firma am Markt etabliert und besitzt mehrere Standbeine, so dass die Zukunft zumindest mittelfristig als gesichert angesehen werden kann. Dem entgegen stünde, dass ich hier am wenigsten Verantwortung zu tragen hätte und meine Gestaltungsmöglichkeiten doch stark beschränkt sind.

Da jede Option ein starkes Argument für sich bot, raubte mir die Entscheidungsfindung besonders den Schlaf. Relativ schnell noch kristalisierte sich heraus, dass ich das Angebot des Konzerns ablehnen würde. Was nützte all das Geld, wenn ich an einem Ort leben müsste, der mir so gar nicht gefällt? Dann wurde es aber schwierig. Die verbleibenden Möglichkeiten waren relativ gleichwertig und somit entschied dann mein Bauchgefühl.

Ich werde dann wohl ab nächsten Monat wieder meinen alten Kleinwagen fahren, den ich noch die ganze Zeit in meiner Garage stehen hatte, weil ich seit Jahren nicht dazu kam, ihn zu verkaufen. Ein Umzug steht dann auch bald an und ich bin voller Vorfreude, wieder mit dem Häuptling und dem Außerirdischen vereint zu sein.

Kommentare
  1. breakpoint sagt:

    Gratulation und viel Erfolg im neuen Job!
    Anscheinend hast du aber keine langen Kündigungsfristen.
    Und keine Sorge, du wirst schon wieder jemanden zum Foltern finden.

  2. @breakpoint

    Danke. Nein, auf lange Kündigungsfristen habe ich keine Lust, so dass wir uns auf die nach BGB verständigt hatten. Und zum Foltern kann ich mir ja Mitarbeiter einstellen, so ab nächstem Jahr dürfte ich zwei bewilligt bekommen, wenn unsere Planung halbwegs greift. Aber bei Azubis macht das einfach mehr Spaß. :D

  3. Lars sagt:

    Also, ich persönlich hätte die ganze Entscheidung auf einen, für mich wichtigen, Punkt beim aktuellem und altem Arbeitgeber zusammen gestampft.

    Neu gegründetes Unternehmen gegen am Markt etabliertes Unternehmen mit mehreren Standbeinen.

    Dann wäre für mich die Entscheidung leicht.

    Aber trotzdem, dir viel Glück beim neuen alten Häuptling.

  4. @Lars

    So einfach ist das nicht. Eigenkapital seitens Häuptling ist genügend da, zweitens haben die beteiligten Personen einen exzellenten Ruf am Markt und wir können im Grunde den kompletten alten Kundenstamm der insolventen Firma übernehmen. Nur dass diesmal kein größenwahnsinniger zweiter Geschäftsführer mit im Bunde ist, sondern mein Häuptling alleine die Zügel in den Händen hält und die Mitarbeiter um sich versammelt, die damals schon vorm Größenwahn gewarnt haben. Das alte Unternehmen war zuvor 15 Jahre am Markt.

  5. Lars sagt:

    Dann sinds jetzt wieder ein paar mehr Infos die ich bis eben nicht kannte. Nach den spärlcihen Infos von oben, wäre das meine Entscheidung gewesen. Ok, ich bin auch eher ein Mensch der risiken vermeiden will. Und hier wäre das kleinere Risiko die aktuelle Firma.

  6. @Lars

    Ein Risiko bleibt es trotzdem, ohne Frage. Aber wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Und ich mach mir mein Kopf drum, wenn es in die Hosen gehen sollte, denn ich bin in der feinen Position, dass mich im Grunde jeder haben will.

  7. DenSchNET sagt:

    Du gehst also dorthin zurück wo du herkamst, richtig ?

    Ich hoffe, die alten Fehler sind dort „beseitigt“ worden….

  8. @DenSchNET

    Jep, der zweite Geschäftsführer und das Gefolge seiner willfährigen Analsonden darf nicht mehr mitspielen.

  9. Sheepy sagt:

    Das ist in der tat keine Leichte Entscheidung.
    Aber ich denke du hast die richtige getroffen, arbeiten mit Freunden ist ja auch immer etwas lustiger ;)

    Und die Entfaltungsmöglichkeiten klingen bei deinem neuen Job wesentlich besser, sodass ich mich wohl auch für diesen entschieden hätte.
    Was ist das leben schon ohne Herausforderungen?

  10. Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg im neen Job. Ich freu mich schon auf viele neue Geschichten

  11. Andrea sagt:

    Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg weiterhin, lieber Maskierter.

    VhG

    Andrea

  12. Wolfy sagt:

    Heißt das, du bloggst jetzt wieder Regelmäßiger? Dann find ich den Umzug gut! :D

    Und gratz^^

  13. @Sheepy

    Die Antwort lautet: Langweilig.

    @gotsassaufeinemast

    Und hoffentlich genug Zeit, diese auch niederzuschreiben.

    @Andrea

    Danke.

    @Wolfy

    Ich denke, dass ich weniger Zeit haben werde zum Bloggen, speziell in der Anfangsphase. Mal schauen.

  14. Herzlichen Glühstumpf von mir.

    Viel Spaß bei deiner neuen||alten Arbeit.

  15. idriel sagt:

    Dann wünsche ich dir nicht nur viel Erfolg, sondern auch viel Spass mit der neuen Stelle bei den alten/neuen Kollegen!

  16. sachma sagt:

    Ich gratuliere Dir und freu mich für Dich… und für uns. Das gibt bestimmt einige lustige Geschichten auf die ich mich schon freue.

  17. @JSchpp & idriel

    Danke.

    @sachma

    Ach, es gibt schon so viele Geschichten aus der Vergangenheit, die noch alle niedergeschrieben werden wollen, dass die paar Neuen gar nicht ins Gewicht fallen.

  18. Ex-Admin sagt:

    Korrekte Entscheidung!

  19. breakpoint sagt:

    @Maskierter
    „Aber bei Azubis macht das einfach mehr Spaß. :D“

    Wenn unser neuer Azubi mal nicht spurt, schick ich ihn zu dir.
    Wir wollen ihn aber unbeschädigt wieder zurück.

  20. Engywuck sagt:

    welcher Azubi, breakpt?
    übrigens: lustiger QR-Code :D

  21. breakpoint sagt:

    @Engywuck
    Der neue Azubi in der IT-Abteilung der Firma, zu deren Chef ich einen heißen Draht habe. :)
    Bis jetzt ganz brav, wenn auch nicht der allerhellste (ich war an der Auswahl nicht beteiligt).

  22. mm. sagt:

    Dann mal herzlichen Glückwunsch zum Alt-Neuanfang!!

  23. Engywuck sagt:

    @breakpt: ja klar kennst Du seinen heißen Draht… aber vom Azubi hab ich bei Dir noch nix gelesen (und kann dort irgendwie auch nicht kommentieren).

    @MaskiertesEtwas: Gratulation zum Umzug in die schönere Stadt-. Ob der Rest was wird darfst uns dann gerne berichten :-) Oh, und gegen Geschichten zum Umzugsstress hätte ich auch nichts :-)

  24. breakpoint sagt:

    @Engywuck

    Mit dem Azubi hatte ich bisher noch nichts direkt zu tun. Und ich blogge auch nicht alle Nebensächlichkeiten, meine aber schon, dass ich ihn mal kurz erwähnt habe.

    Dass du nicht bei mir kommentieren kannst, tut mir leid, Blog.de ist meines Wissens recht pingelig mit den Email-Adressen. Wenn du dich dort registrieren würdest, müsstest du auch kein Captcha mehr eingeben.
    Falls es dir irgendein Trost ist, ich habe hier bei WordPress auch immer Probleme beim Kommentieren und muss mich meist mehrfach einloggen, bis es klappt.

  25. […] privat hat sich im vergangenen Jahr viel getan. Die Highlights waren sicherlich die Wiedervereinigung mit dem ursprünglichen Häuptling und diversen anderen Protagonisten, so wie die Verlegung von Maskenstadt. Damit einher geht jetzt leider die frisch angekündigte […]

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