Der Abteilungsleiter

Veröffentlicht: Montag, 15.10.2012 in Kunden

Es gab einst einen Partner, die Butter für Brötchenbringer GmbH, der einen tollen Zusatz für unser Produkt Brötchenbringer entwickelte und vertrieb. Gemeinsam mit Vincent Egetarier war ich zu diesem Partner abkommandiert, um die Mitarbeiter und Entwickler vor Ort auf die Beine zu stellen, damit diese den kompletten Support übernehmen konnten, wenn ihr Produkt Brötchen-mit-Butter-Bringer zum Einsatz kam.

Das bisherige Vorgehen erstmal den Supportfall anzunehmen und dann auf Verdacht entweder uns diesen weiterzuleiten oder seitens des Partners selber zu bearbeiten, produzierte inzwischen massiv überflüssigen Aufwand. Während Vincent also seinen bitschubsenden Kollegen tieferen Einblick in den von seiner Truppe verbrochenen Spaghetticode gewährte, klärte ich meine Pendants darüber auf, wie man dieses Verbrechen an der Menschheit dennoch bei den Kunden zum Laufen bekommt.

Zumindest versuchte ich dies, jedoch wurden meine Bemühungen stets vom Abteilungsleiter des Vertriebs, Uwe-Norbert Wichtig, unterbrochen, der in das Großraumbüro einmarschierte wie einst Napoleon in Italien, dabei seine Kaffeetasse vor den mächtigen Bauch hielt wie die ebenfalls bekannte Pose des berühmten, bodennah gebauten Korsen und rumlamentierte, dass er doch zu 150 % ausgelastet sei und kein Land mehr sieht. Und das mindestens eine Stunde lang, bevor er ins nächste Büro weitermarschierte und dort seine Litanei von neuem ansetzte. Jeglicher Versuch aller Anwesenden Uwe-Nobert freundlich herauszukomplementieren, scheiterte vom Grund auf. Selbst pure Ignoranz zeigte sich erfolglos, jedoch war an ein konzentriertes Weiterarbeiten während der Arien nicht zu denken.

Sogar Vincent, auf unseren Aushilfs-Bonaparte angesprochen, wechselte seine blasse Gesichtsfarbe zu einem ansatzweise erkennbaren Rot, während seine Brille sowas ähnliches tat wie zornig auf den Nasenflügeln zu zittern. Am dritten Tag hatten wir von diesem Zinober genug, nachdem wir beide erfolglos den Vertriebsleiter angesprochen hatten. Dieser meinte nur, dass er doch nur mal eben kurz freundlich „Hallo!“ sagen würde, das könne doch kaum stören und würde dem Betriebsklima dienen. Daher sprachen wir in einer passenden Minute gemeinsam den Geschäftsführer an und baten ihn darum, dass er seinen Schergen doch bitte einbremsen möge, damit wir innerhalb der geplanten Woche unsere Mission erfüllen könnten. Dieser war ob unserer Bitte etwas verwundert, kam ihr aber zügig nach und wir hatten die restlichen beiden Tage unsere Ruhe.

Als ich wenige Wochen danach mit einem meiner Kollegen bei Butter für Brötchenbringer telefonierte, hörte ich im Hintergrund wieder Uwe-Nobert.

Berichtet Napoleon wieder vom Krieg?

Diese spöttische Frage meinerseits wurde umgehend bejaht und ich erfuhr, dass das Intermezzo genau die verbleibenden beiden Tage anhielt, ehe er wieder seine tägliche Jammerrunde drehte.

Insofern verwunderte es mich nicht, als wir nach knapp einem Jahr die Info erhielten, dass die Butter für Brötchenbringer GmbH Insolvenz angemeldet hatte, was uns die günstige Möglichkeit brachte, die drei Entwickler von Brötchen-mit-Butter-Bringer abzuwerben und dessen Features in unser Brötchenbringer komplett zu integrieren.

Kommentare
  1. breakpoint sagt:

    Und hat es Napoleon nach der Insolvenz erst mal nach Elba oder schon auf St. Helena verschlagen?

    OT: Hoffentlich hast du den Umzug gut überstanden. Alles Gute für den Neubeginn!

  2. @breakpoint

    Also, wenn es nach mir ginge, dann definitiv St. Helena. Aber dummerweise geht es ja nicht nach mir und er fuhrwerkt heute noch rum, inzwischen jedoch als kleine Leuchte bei einem großen Konzern.

    Umzug ist morgen, war günstiger und hat mir noch einen Tag Sonderurlaub eingebracht. Aber mit Spedition ist das echt entspannt.

  3. Sheepy sagt:

    Ich frage mich immer wieder wie solche Leute überhaupt einen Job bekommen können.

    Waren die schon immer so? Was hat die so gemacht? Schwere Schicksalsschläge oder pure Inkompetenz?

    Aber egal was, es ist einfach nur nervig wenn man permanent von der Arbeit abgehalten wird. Und wie man das als Häuptling tolerieren kann ist mir ein rätsel? Vllt. ne Wagenladung Vitamin B? ^^

  4. @Sheepy

    Manche Leute können sich einfach nur gut verkaufen, auch wenn ansonsten nichts dahinter steht. Davon kenne ich inzwischen einige in meiner Branche. Manche davon publizieren sogar für renommierte Fachmagazine, sind aber in der Praxis totale Luftpumpen.

  5. breakpoint sagt:

    Zweihunderteinundachtzig…

    Vor längerer Zeit schon ist mir der Stiltest der FAZ aufgefallen. Dort kann man eine Textprobe (am besten wenige Kilobyte) einfügen, und erhält dann als Ergebnis den Namen eines deutschsprachigen Schriftstellers, der in einem ähnlichen Stil schreibt. ….

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