Er hätte mich besser mal fragen sollen

Veröffentlicht: Montag, 22.04.2013 in Kollegen

Der Mensch arbeitet nicht vom Kaffee allein. Zwar ist diese Substanz eine der wichtigsten Rohstoffe der heutigen Welt – und die Wirtschaft bräche ohne das schwarz-braune Gold völlig zusammen – dennoch muss zwischendurch auch etwas anderes sein. Unser Häuptling sponsort neben dem Schmierstoff auch noch geblubbertes Wasser, und zwei mit Kunstaromen nur so vollgestopfte Besatzerbrausen. Dazu erspäht das suchende Auge, das nicht davor zurückschreckt, diverse Schranktüren zu öffnen, auch den ein oder anderen Teebeutel in der bezeichnenderweise so genannten Teeküche.

Wir Indianer haben also wirklich keinerlei Grund zur Beschwerde, was die Flüssigkeitenversorgung angeht. Und die regelmäßige Anlieferung von Pizzaschachteln in Treckerreifengröße auf Kosten des obersten Heeresführers sorgen auch dafür, dass die erotische Schwungmasse nicht zu schmelzen droht. Doch wem das immer noch nicht reicht, der muss sich selber helfen.

Und ratet mal, wer sich hier selber hilft. Neben Kaffee, Wasser und gelegentlich Cola vernichte ich Unmengen an Tee. Und wenn man viel Tee trinkt, dann wird einem die Auswahl, die man in der Küche vorfindet, schnell langweilig. Also habe ich mich mit einer Menge Engländerschreck – im Handel unter aromatisiertem Tee geführt – und diversen Kräutertees eingedeckt. Stilunecht im Teebeutel. Ein ganz besonderes Faible habe ich für Minztee entwickelt und so findet man in meiner Schublade des Rollcontaineres, in der ich diese aufzubewahren pflege, ein halbes Dutzend unterschiedlicher Minzsorten; schön neben- und hintereinander gereiht in ihren Pappschachteln, so dass in der Schublade kein Fingerbreit mehr frei ist.

Meine kleine Sammlung hatte sich schnell in der Firma rumgesprochen – meinen Azubis sei’s gedankt. Und da wir hier ein sehr gutes Klima haben und jeder zu dessen Erhalt beisteuert, war es nur normal, dass hin und wieder jemand mal nach einem Beutel aus meinem Sortiment fragte. Da wir unsere Rollcontainer auch nicht verschließen, war es auch nichts Ungewöhnliches, dass jemand in meiner Abwesenheit sich mal einen Beutel nahm, mir eine kurze, dankende E-Mail hinterließ und sich dafür anderweitig revanchierte – oder um meine Vorliebe für Minze wissend auch eine mir noch unbekannte Packung mitbrachte, wenn derjenige eine solche im Handel erspähte.

So kam es auch, dass ich gemeinsam mit Tobi beim Argentinier des Vertrauens eine Herde Rinder mit Papa Asada in den trainierten Magen lotste, während Der Außerirdische von leichter Heiserkeit geplagt, einen Tee aus meiner Schublade nahm und mir zum Dank eine Flasche seines von seiner Mutter handgepressten Apfelsafts hinterließ.

Dies stellte ich erfreut fest, nachdem Kollege Eisen und ich maximal befüllt aus der Mittagspause zurückkehrten zurückrollten. Bei so viel Großzügigkeit, schließlich redeten wir immerhin von einem Liter allerbestem Apfelsaft, importiert aus fernen Galaxien, wollte ich mich prompt bedanken. Auf dem Weg zum Wesen exoplanetaren Ursprungs kam dieses mir wie ein geölter Blitz entgegen, rief nur „Aus dem Weg!“ und verschwand in der Toilette für maskuline Lebensformen.

Ich zuckte irritiert mit den Schultern und dachte mir nur, dass da jemand genug von seinem Apfelsaft genossen hatte, um dessen anregende Wirkung der Peristaltik zu erfahren. Also ging ich zurück zu meinem Arbeitsplatz, genoss den Apfelsaft und hoffte, dass meine Kunden den Genuss nicht zu sehr trüben würden.

Fast hätte ich das Vorkommnis vergessen, hätte nicht drei Stunden später, kurz vor Feierabend, ein völlig zerstört aussehender Außerirdischer sich in meinem Büro materialisiert und mich angeflaumt:

Sag mal, was für einen Scheißtee hast du denn da in deiner Schublade gehortet? Erst schmeckt das Zeugs wie eingeschlafene Füße und dann komm ich nicht vom Schacht weg. Ich will meinen Apfelsaft zurück!

In diesem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich öffnete meine Vorratsschublade und wies auf eine Schachtel.

Hast du Tee aus der Schachtel genommen?

Ja, woher weißt du das? Habe extra den genommen, weil da noch eine gleiche, ungeöffnete Packung daneben steht und ich dachte, von dem hast du genug, dass du einen Beutel entbehren kannst.

Das hast du aber nett gedacht.

Dann brach ich in schallendes Gelächter aus, das noch von dem irritierten Gesichtsausdruck meines Gegenübers bestärkt wurde, und benötigte eine Weile, ehe ich mich beruhigte und fortsetzte:

Dummerweise sind das die Beutel vom Abführtee letztens, als ich solche Verstopfungen hatte, die übrig geblieben sind und die ich aus Platzmangel in die Packung getan habe. Dein Apfelsaft schmeckte übrigens köstlich, sag deiner Mama besten Dank von mir, sobald du dich wieder weiter als 50 Meter von einer Toilette gefahrlos entfernen kannst.

Noch während ich diese Worte sprach, erhob ich mich von meinem Platz und schob den Außerirdischen aus meinem Büro. Er brauchte einen Moment, um deren Sinngehalt zu erfassen, was ich daran erkannte, dass auf einmal die Gesichtszüge völlig entgleisten und er einige sehr unflätige Worte in den Raum warf, die sich gegen die eigene Unfähigkeit, das Etikett des Beutels zu lesen, richteten, während ich wieder vor Lachen mit dem Erstickungstod kämpfte.

Kommentare
  1. Wolfy sagt:

    Der arme Außerirdische. :D
    Hoffentlich zieht er daraus seine Lehre xD (vertraue niemals der Verpackung. Überprüfe immer den Inhalt)

  2. breakpoint sagt:

    Entwässernder Tee (z.B. Brennnessel) hätte einen ähnlichen, wenn auch nicht ganz so dramatischen und unappetitlichen Effekt gehabt.

  3. @Wolfy

    Ob er daraus gelernt hat, weiß ich nicht. Aber zumindest jetzt kann er wieder gefahrlos zugreifen, kein Abführtee mehr da.

    @breakpoint

    Es lag nunmal abführender Tee da drin. Aber das mit dem Brennnessel-Tee bringt mich auf eine Idee, wie ich meine Kollegen… beglücken kann.

  4. Paterfelis sagt:

    Gibt es tatsächlich unterschiedlich schmeckende Minztees? Als leidenschaftlicher Vertreter der Schwarztee-Fraktion bin ich jetzt doch ein wenig erschüttert, ja nahezu entsetzt. Und wie soll ich jetzt meine Wildschweinsoße würzen? Mein Weltbild bricht zusammen.

  5. breakpoint sagt:

    @Maskierter
    Wenn dem so ist, offenbare ich gleich noch ein bisschen mehr Kräuterhexenwissen:

    Anis, Kümmel und Fenschel verstärken den Effekt der Brennnesseln noch.
    Hex, hex!

  6. Engywuck sagt:

    Blasentee ist halt kein Bubble Tea :-)

  7. breakpoint sagt:

    Oh @Engywuck, ein bisschen Häkeln würde dir ganz sicher gut tun.

  8. @Paterfelis

    Aber natürlich schmeckt jeder Minztee anders.

    @breakpoint

    Ich will meine Kollegen ja nur bisschen ärgern. Außerdem müssen die meine Arbeit erledigen, damit ich Zeit zum Bloggen habe.

    @Engywuck

    Bei Bubble Tea denke ich nur an BASF Rohr 13.

  9. Murgs sagt:

    Oh je, da habe ich hier lange nicht mehr vorbeigeschaut!
    Abführtee („Drasticum“ als stärkere Version von „Laxativum“) ist nicht zu verachten. :-)
    Nette Kameraden aus der Reihe der als Filterbeutel erhältlichen Tees:
    Bärentraubenblätter – gut gegen Harnwegsinfekte schmeckt aber wie vergammelt.
    Wermut – regt den Magen an, aber dem uninformierten Trinker vergeht der Spaß nach dem ersten Schluck des extrem bitteren Gebräus
    @ Breakpoint: Brennessel, Anis, Fenchel, Kümmel – kenne ich als Kombination: wird dann Stilltee oder Milchbildungstee genannt.
    Brennessel allein schmeckt ziemlich muffig.
    Zu den Risiken und Nebenwirkungen lasse ich mich jetzt nicht weiter aus.

  10. breakpoint sagt:

    @Murgs
    Genau. Den hatte ich mal bei meiner Schwester im Einsatz erlebt, woraufhin sie u.a. (das führe ich hier nicht weiter aus) mit stark erhöhter Frequenz die Toilette aufsuchen musste.

    Irgendwann habe ich einmal Brennnesseltee getrunken und fand ihn geschmacklich ganz in Ordnung (so ähnlich wie Spinat). Aber aufgrund der stark entwässernden Wirkung habe ich dann Abstand davon genommen, ihn als Kaffeealternative ins Auge zu fassen.

    @Maskierter
    Dann wäre es wohl vernünftig, deinen Kollegen/Mitarbeitern den Tee erst zum Feierabend zu kredenzen, damit keine Arbeitszeit verloren geht.

  11. Engywuck sagt:

    ehrlich gesagt stehe ich bei „rohr 13“ grad auf dem Rohr bzw. Schlauch… wenn das eine Anspielung sein soll verstehe ich sie einfach nicht :-(

  12. @breakpoint

    Nö, wenn schon solche Scherze, dann ruhig während der Arbeitszeit. Die sind alle so fleißig, dass die ihren ungestörten Feierabend verdient haben.

    @Engywuck

    Bedeutet einfach: Beliebige Chemikalienpampe.

  13. Engywuck sagt:

    ne, so einfach kann das nicht sein… ;-)

  14. sarc sagt:

    Was wären denn von dir favorisierte Minztees? Trink den hin und wieder auch ganz gerne, bin aber eher auf der Discounter-Schiene, genau wegen der Vorstellung, dass die ja eh alle (fast) gleich schmecken. Lass mich da aber gern vom Gegenteil überzeugen.

  15. zbygnev sagt:

    und was lernen wir einmal mehr?
    Jalapeno: gut
    Jalape: böse :-)

  16. Andrea sagt:

    „Auf dem Weg zum Wesen exoplanetaren Ursprungs kam dieses mir wie ein geölter Blitz entgegen, rief nur “Aus dem Weg!” und verschwand in der Toilette für maskuline Lebensformen.“ *loooooooooooooooooooool*

    Ja, sag du mir , das ist ja einfach lustig.

    Herzlichst

    Andrea

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