Eine Taxifahrt mit Sash

Veröffentlicht: Sonntag, 19.05.2013 in Erlebnisse

Familie ist wie das Finanzamt, man entkommt ihr nicht.

Der Maskierte im Jahre 2013

Als ich die Einladung meiner beiden liebsten Drillingstanten zu ihrem gemeinsamen  180. Geburtstag erhielt, schwante mir schon Übles. Kein Koberind und kein Grand Cru aus Bordeaux, sondern Schnitzel-Pommes und Bier, würden mir an diesem Wochenende zwar im Überfluss, aber auch als einziger Genuss zur Verfügung stehen. Dem Bier würde ich auch bis zum Wirkungseintritt reichlich zusagen, denn anders waren für mich solche Familienfeste einfach unerträglich.

Man würde mir zwar nicht mehr in die Wange kneifen, so dass ich noch Wochen später deutlich sichtbare Hämatome an dieser Stelle vorzuzeigen hatte, weil ich inzwischen mit einem fiesen 3-Tage-Bart mich zu wehren wusste. Doch würde das restliche Ritual meine Laune in den Keller reißen. Meine dreibeiden Tantchen und die sonstige Verwandschaft würden diese seltene Gelegenheit nutzen, mich wieder zu löchern, warum ich immer noch nicht verheiratet bin und mir irgendwelche Bekanntschaften nahelegen, die angeblich ganz toll zu mir passen würden.

Meine schon tausendfach vorgetragene Erläuterung, dass ich aus Prinzip nur reich heiraten werde, würde wohl auch diesmal unverstanden verhallen und so blieb mir nur der rettende Suff. Damit war auch klar, dass ich – als verantwortungsbewusster Maskenträger im Straßenverkehr – mein gummibehuftes Renngefährt in der heimischen Garage stehen lassen würde und stattdessen die Vorzüge von Bus Taxi und Bahn in Anspruch nehme, da am nächsten Tag, an dem ich die Flucht zurück zu Wein und Rind antreten würde, mein Blutalkoholpegel noch immer ausreichen würde, eine normale Weihnachtsfeiergesellschaft eines mittelständischen Betriebes ins Koma zu befördern. Dass ich mich im Endeffekt auf die Feier wie auf ein Loch im Zahn freute, war klar. Doch ein Zückerchen bot die Situation.

Da meine Lieblingstanten sich nach der Wende im weiteren Umland Berlins niedergelassen hatten, war die Gelegenheit günstig, endlich mal Sash kennenzulernen und ein paar E-Mails später war klar, dass ich am Anreisetag in seinem Taxi zum Sitzen käme. Die ehrenhafte Aufgabe mich am nächsten Tag zum Bahnhof zu bringen und in den richtigen Zug zu setzen, würde ich dann einem meiner Cousins oder Cousinen überlassen, die damit schon jahrelange Erfahrung haben.

So kam es, dass ich in Berlin aus dem Ostbahnhof purzelte; zielstrebig auf Sashs Taxi zu. Es war kaum zu übersehen, so prominent wie es vor dem Haupteingang stand. Die SMS mit der exakten Geoposition wäre vollkommen überflüssig gewesen, verstand ich jedoch als guten Service. Auch ohne Sturmhaube, nur mit frisch gebügelter Zivilmaske, schien mich Sash sofort erkennen zu können. Lag es an meinem breiten Grinsen? Jedenfalls schälte er sich sofort vom Fahrersitz, um mir den Kofferraum zu öffnen und eine fröhliche Begrüßung anzustimmen.

Da standen wir von Angesicht zu Bauchnabel. Ist der Kerl aber auch ein Hühne.  Zum Glück drohte keine Nackenstarre, denn bevor wir dem Regen die Chance gaben, uns aufzuweichen und in den Gulli zu jagen, saßen wir schnell in Deutschlands berühmtester 1925. Und schon rollte sowohl das Taxi als auch das Gespräch vor sich hin.

Gefühlt 5 Minuten später – und noch 237 Milliarden ausstehnde Themen zu früh – kamen wir am Ziel bei meinen Lieblingsdrillingstanten an. Kurze Begrüßung der vor der Tür Wartendenden und dann hieß es auch wieder, Sash den Lohn seiner Mühen zukommen zu lassen und sich zu verabschieden.

Ich kann hierzu nur sagen: Wer auch immer die Möglichkeit hat, der setze sich zu Sash ins Taxi und lasse die Zeit mit guten Gesprächen ihre Relativität beweisen.

Nachtrag: Sash hat seine Sicht der Dinge auch bereits festgehalten. Und nein, es lag nicht an den Kommentaren, das war von Anfang an so vorgesehen.

Kommentare
  1. […] Inzwischen ist auch des Maskierten eigener Text zur Fahrt mit mir raus und es freut mich ungemein, dass ich offenbar auch nicht zu nervig war. Und ja, es lag am […]

  2. Andrea sagt:

    Immer mit Maske unterwegs – gell Maskierter – hast du immer die gleiche Maske oder für jeden Anlass eine eigene z.B. beruflich, privat etc. ? Kann man die Masken waschen/waschen lassen oder muss man sie wegwerfen, wenn sie zu abgetragen sind bzw. muss man neue kaufen ? ;) ;) ;)

    Herzlichst

    Andrea

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