Anruf beim städtischen Straßenbauamt

Veröffentlicht: Donnerstag, 27.06.2013 in Erlebnisse

Nachdem ich Städtischer Irrsinn geschrieben habe, ließ mir die Sache keine Ruhe und ich rief beim Straßenbauamt an. Ich schilderte mein Problem, nämlich das Unverständnis, warum die Schlaglochstraße partout nicht vernünftig repariert wird und das schon seit mindestens 2006, da wurde ich auch sofort zum zuständigen Sachbearbeiter verbunden.

Als ich diesem, übrigens sehr freundlichen Mann, mein Anliegen geschildert habe, meinte er lachend, ob ich gut säße und schilderte mir die Sachlage:

Im Jahr 2005 wurde mit dem örtlichen Gas-, Wasser- und Kanalnetzbetreiber besprochen, wann welche Sanierungsarbeiten notwendig sind, um die Erdarbeiten z.B. mit Dritten frühzeitig koordinieren zu können. Dabei kam heraus, dass 2016 die Schlaglochstraße komplett saniert werden wird. Sprich neue Gas- und Wasserleitungen. Im Zuge dessen wird das Straßenbauamt dann auch die Bürgersteige hübsch machen und die Straße verbreitern, ein nicht unbekannter drosselnder Telefonkonzern wird neue Glasfaserleitungen verlegen und der hiesige Kabelnetzbetreiber will dann auch neue Leitungen in den Boden bringen. Da also seit 2005 bekannt ist, dass im Jahre 2016 die Schlaglochstraße und eine der angrenzenden wichtigen Hauptstraßen komplett aufgerissen wird – der Plan wurde mir übrigens detailiert erklärt und liegt schon seit 2008 in der Schublade – wird seither nur noch provisorisch repariert.

Mein Einwand, dass zumindest die Oberfläche abfräßen und bisschen Schotter in die tiefen Löcher nachkippen – man muss ja nicht gleich jede kleinste Bodenwelle begradigen – aber durchaus schon 2006 angebracht gewesen wäre, zumal auf der ebenfalls aufzureißenden Hauptstraße dies immer noch regelmäßig erfolgt, wurde mit einem traurigen Seufzer kommentiert. „Ja, da haben Sie Recht“, wurde mir bestätigt. „Aber 2002 wurde ein Erlass der Stadt herausgegeben, dass alle untergeordneten Straßen, für die größere Bauvorhaben bekannt sind, nur noch provisorisch repariert werden dürfen, um Kosten zu reduzieren.“ Dass dies die wichtigste Verbindungsstraße zwischen den beiden Hauptstraßen ist und daher entsprechend viel Verkehr dort herrscht, spielte dabei keine Rolle. Mit vor Ironie triefender Stimme wurde mir dann noch zum Abschied gesagt:

Wissen Sie, Herr Maskierter, wenn der Ausbau 2016 erfolgt ist, dann wird die Straße zur Hauptverkehrsstraße heraufgestuft werden.

Ich liebäugel derweil bis 2016 mit einem Firmenhelikopter. Sobald wieder Firmenwägen für Mitarbeiter angeschafft werden, werde ich dem Häuptling den Vorschlag unterbreiten. Das sollte noch vor 2016 der Fall sein.

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Kommentare
  1. breakpoint sagt:

    Du musst halt langfristig in größeren Zeiträumen denken.
    Die paar Jahre noch hältst du doch locker durch.

    Gibt es eigentlich keine Alternativstrecke?

  2. @breakpoint

    Es gibt eine kürzere Alternativstrecke, die jedoch durch gefühlt 200 Ampeln pro 100 Meter jedoch 3x so lange benötigt, wie die durch die Schlaglochstraße.

    Ich habe auf der knapp 1 km längeren Strecke ganze 12 Ampeln weniger. Das muss man sich vorstellen. Und man erwischt niemals drei grüne Ampeln hintereinander. Selten sind schon zwei unter großzügiger Auslegung der Tempolimits.

  3. breakpoint sagt:

    Tja, wenn die Schlaglochstraße das kleinste Übel ist, dann weiterhin viel Spaß mit den Löchern.

  4. Engywuck sagt:

    wir sparen, koste es was es wolle (vor allem, wenn es andere kostet)

    Interessant wird nur, was passiert, wenn einer (vorzugsweise ortsfremd) einen Schaden am Auto wegen den Schlaglöchern hat und dann die Stadt verklagt. Aber das ist ja vermutlich ein anderes Budget…

  5. Engywuck sagt:

    das ganze hat mich grad an was erinnert:
    in meinem Heimatkaff war viele viele Jahre die Straße, die durch den Marktplatz führt gleichzeitig auch der Autobahnzubringer von der Bundesstraße aus. Also ziemlich viel Verkehr in engen Gassen. Und natürlich war das dann eine „Landesstraße“.
    Nach Jahrzehnten verschiedenster Planungen kam dann tatsächlich die Umgehungsstraße, von der Stadt gebaut.
    Logisch wäre nun gewesen, die neue Straße (etwa gleichlang zur bisherigen) zur Landesstraße zu ernennen und dafür die Hauptstraße der Stadt zu übergeben. Dann wäre auch vollständiges LKW-Verbot, Tempo 30 (mehr als 40 geht ohnehin nur nachts mit viel Mut) etc. möglich. Das geht aber laut Aussage eines gewöhnlich gut informierten Bürgers nicht.
    Grund: es gibt eine landeseigene Anweisung, dass nur komplett sanierte Straßen getauscht werden dürfen. Und auf der Hauptstraße ist die nächste Sanierung erst irgendwann in 10 Jahren oder so fällig. Wohlgemerkt: der Straßenzustand ist OK, bei beiden Straßen, aber die Vorschrift…

  6. Wolfy sagt:

    Firmenhubflapflaps?

    ….

    *breites grinsen*

    Mus sich meinem Chef auch mal vorschlagen. :D

  7. @Engywuck

    Ich vergaß zu erwähnen, dass dieses lustige „Hügel“-Schild (Nr. 112) aufgestellt wurde.

    Und deine Story hat ja eine ähnliche Qualität wie meine.

    @Wolfy

    Mach mal, bin auf die Antwort gespannt. :D

  8. Tante ju sagt:

    Was soll ich sagen? Hört sich so an, als ob der Maskierte im Nachbarort wohnt. Passt eigentlich alles.

    Aber andere Länder, andere Sitten. Bin gerade n USA und da stürzen auch gerne mal Brücken ein. Ich weiß nicht, warum das immer passiert, kurz bevor ich in die Gegend fliege. Aber gemessen daran sind unsere veredelten Schotterpisten zumindest weniger Gefährlich (ok, war da nicht mal was ,it Autos die komplett eingebrochen sind?).

    Also immer das gute sehen: Federbeine rosten nicht so schnell. :)

  9. bertil sagt:

    Eine herrliche Geschichte, die mal wieder richtig schön den Irrsin zeigt, der teilweise in unserer Gesellschaft herrscht. Danke, ich hab lange nicht mehr so gelacht!

  10. TheD3X sagt:

    Okay, da muss ich nach längerer Maskenabstinenz auch mal meinen Senf zugeben…
    Ich lebe in einem Mittelgroßen Kaff, zufällig auch der Ort, wo der JadeWeserPort (leer-)steht. Logischerweise haben wir auch häufiger die Bundesmerkel hier zu Besuch, weil wegen (ihr) Herzensprojekt und Walfang… äh Stimmenfang. Nun gibt es einige Straßen, die in einem so Desolaten Zustand sind, dass das Fahren da schon mit Risiken verbunden sind. Allerdings, da fährt der GrößteTopfschnittAllerZeiten nicht lang. Jedes mal, wenn die GröTAZ uns Besucht, wird ein bis zwei Monate zuvor die Route komplett abgesperrt (auch größere Verkehrsstraßen mal einspurig) und komplett saniert, a.k.a. der drei Monate alte Asphalt komplett weggerissen und neuer drauf. Die anderen, nicht merkelisierten Straßen sind übrigens aussen vor, hier sind sogar die Gullis teilweise noch zugeschweißt.
    Kommt aber noch besser:
    Die A29 sollte zum direkten Zubringer zum JWPort ausgebaut werden. Haben sie auch gemacht, alles schön und toll. Nach dem Ersten LKW richtung Port mussten sie die A29 bis Wilhelmshaven komplett reparieren und einen Zubringer in der Mitte komplett sperren. Zur Erklärung – durch die extremem Temperaturunterschiede an der Küste wird hier an Autobahnbrücken eine Gewisse mischung elastischer Asphalt und Federn benutzt, die dem Gewicht vieler Autos(!) standhält. Nach dem Dritten ContainerLKW musste die Brücke komplett dicht gemacht werden – die Stoßfedern sind gebrochen.
    Na Ja, bleibt ja noch der Gleiszubringer zum JWP… oder? Teilweise ist er in Betrieb. Ins Inland Bringen geht, bloß vom äußeren Hafen geht nichts weil: Niemand weiß, wem das Gleis gehört. Nordfrost sagt „Is‘ nich‘ unsers…“ Jade/KruppStahl will auch nix damit zu tun haben, die Bahn weiß es auch nicht.
    Oh, und weil das Abwasser vom JWP nicht mehr ins Klärwerk passt, haben die seit vier Monaten die Gesamte Innenstadt aufgerissen für ein neues Kanalisationsrohr…
    Überall Chaos hier.

  11. @Tante ju & TheD3X

    Maskenstadt ist eben überall.

    @bertil

    Ja, man kann nur noch drüber lachen. Alles andere würde einen in den Wahnsinn treiben.

  12. ein Matthias sagt:

    Einen Tipp noch zu deinem Straßenirrsinn.

    Ist es möglich, dass deine Anliegerstraße, also die perfekt Reparierte, noch recht neu ist und demzufolge noch Gewährleistungspflicht von seiten der Baufirma besteht?

  13. @ein Matthias

    Glaube ich jetzt nicht. Der Teil des Neubaugebiets wurde als erstes erschlossen und ist jetzt auch schon paar Jährchen alt. So 5 rum. Da wird wohl keine Gewährleistungspflicht mehr greifen oder die Firma wird wahrscheinlich schon zum 3. Mal Insolvenz angemeldet haben.