Bitte nicht antworten

Veröffentlicht: Samstag, 19.03.2016 in Kunden

Liebe Leser, diesen Beitrag verdankt Ihr Tino, der mich soeben in einer angenehmen Unterhaltung in Schreiblaune gebracht hat.

Der große Konrad Adenauer sagte seinerzeit auf der Cebit:

Das Leben könnte so schön sein, wenn die Kunden nicht wären.

Recht hatte er!

Der Tag war ungewöhnlich schön. Die Sonne lachte, Sabine Fegers Dekolleté lachte und ich lachte, weil das Leben sich gerade von seiner schönsten Seite zeigte. Im Ticketsystem war außer ein wenig Grundrauschen, das einem neben dem starken und wohlschmeckenden Kaffee der Azubis vom Einschlafen abhielt, nichts los und der Gedanke, dass man heute vielleicht zusammen mit Sabine früher Feierabend machen könnte, um gemeinsam den nächstgelegenen Baggersee aufzusuchen und sich des Seins zu erfreuen, lag quasi zum Greifen nah.

Doch in jeder Geschichte, die zu schön ist, um wahr zu sein, gibt es einen Volker. Genauer einen Volker Ollhorst, bei dem man genau weiß, dass Klettverschlüsse an Schuhen nur wegen ihm erfunden wurden und man sich fragt, wie dieser Mensch in der Lage ist, selbstständig zu atmen, da das nötige Kontrollsystem für diesen Reflex – unter Experten zentrales Nervensystem genannt – definitiv nicht mal als Spurenelement in seinem Organismus nachzuweisen ist.

Der Zustand der heiteren Lebenslust endete also spontan, als sich im Ticketsystem ein neues Troubleticket von besagtem Volker Ollhorst materialisierte. Fast im Sekundentakt kam ein neuer Eintrag hinzu, der ein paar nichtssagende Zeilen und einen zusammenhanglosen Screenshot unseres Produkts Butterbringer enthielt. Nach einer Weile wurde klar, dass eine Bestätigungsmail an eine bestimmte externe E-Mail-Adresse nicht versendet werden konnte, aber der gute Volker schaffte es immer noch nicht, einen Screenshot des Maillogs, geschweige denn den Knopf „Sammle Supportinformationen und stelle diese dem Butterbringer-Support bereit“ zu klicken, die all diese Infos enthielten.

Gewissenhaft prüfte ich daher im Vorfeld, ob ich überhaupt die Mailserver des Empfängers erreichen konnte, was mir natürlich auf Anhieb gelang. Ich fragte mich schon, ob ich schon wieder einen der Entwickler mit der 9-schwänzigen Katze auspeitschen musste, weil sie mal wieder irgendeine entscheidende Zeile im Code auskommentiert hatten, weil sie nicht mehr wussten, wofür sie gebraucht wurde, da kam der entscheidende Screenshot.

Der liebe Herr Ollhorst hatte es tatsächlich geschafft, den richtigen Bereich im Produkt zu öffnen und so sprang mir die Zieladresse für die nicht-zustellbare Mail mit beiden Füßen voran ins Gesicht:

no-reply@$nicht-ganz-unbekannter-internationaler-Großkonzern.com

Auf Deutsch: Kein Anschluss unter dieser Nummer!

Ich beschloss, eine freundliche Supportmail zu schreiben und anschließend Feierabend zu machen und Sabine zum Baggersee zu entführen. In der Mail standen nur noch folgende Zeilen:

Hallo Herr Ollhorst,

schauen Sie sich doch bitte noch einmal die gemachten Screenshots genau an. Ich betrachte den Fall hiermit als geschlossen.

Mit fettigen Grüßen
Der Maskierte

Kommentare
  1. Tino sagt:

    Danke vielmals. Die unverkennbare Erzählweise gepaart mit allerlei Wortspielerei sorgt dafür, dass die Ohren mein Dauergrinsen daran hindern, sich einmal rings um den Schädel zu ziehen.

  2. Wer freundlich fragt, dem wird geholfen. ;)

  3. ednong sagt:

    Hihi,
    Mensch, da hat der arme V.Ollhorst sich so abgemüht und dann soeine profane Antwort …

    Ich hätte ihm ja wenigstens noch reingeschrieben, dass ich ihn nicht erreichen konnte wegen geht einfach nicht. Und dass der Butterbringer natürlich alles richtig macht, schließlich wünscht man ja gar keine Email.

    Manche Leut‘ sind wirklich Volltrrottel …

  4. Mehr muss dazu doch nicht sagen.

  5. Ob V. Ollhorst kapiert hat, was du mit deiner Mail ausdrücken wolltest?
    Ich habe Bedenken, das könnte zu subtil für ihn gewesen sein.
    Woher soll er auch wissen, dass man auf no-reply not replyen tut?

  6. @ednong

    Zumindest ist ihm hoch anzurechnen, dass er nicht direkt danach ein neues Ticket aufgemacht hat, sondern den Wink mit dem Scheunentor verstanden hatte.

    @Die Unsoziale

    @breakpoint

    Er har zumindest verstanden, dass er auch bei mir damit nicht mehr aufschlagen braucht. Ansonsten hätte ich ihm noch eine bebilderte Anleitung zum Nachtanzen aus der Walldorfschule geschickt.

  7. opatios sagt:

    @Der Maskierte: Erstaunlich, dass er den Wink verstanden hat.
    Ich hätte auch damit gerechnet, dass er Dich im Anschluss über die Erfolglosigkeit seines Studiums der ganzen Screenshots informiert- wobei er sogar noch seinen Kollegen Bernhard Lindfisch hinzugezogen hätte!

  8. whiskey2011 sagt:

    no-reply ist nicht der fehler in der mail-adresse, sondern das dollarzeichen in der domain *duck und flücht*

  9. Andrea sagt:

    Was ? Darf man deine Blogeinträge nicht beantworten ? ;)

    Spass beiseite: Tja, V.ollhorst gibt es leider nicht nur einmal, sondern öfter. Auch in weiblicher Gestalt ist mir dergleichen schon einmal untergekommen.

    Gute N8, lieber Maskierter. Bis bald.

    Herzlichst

    Andrea

  10. Moin moin,
    ich lese deinen Blog so gerne, dass ich dich für den „Liebster Award“ nominiert habe. Wieso, weshalb, warum? Das kannst du bei Bedarf hier nachlesen: https://desgrafenlesestunde.wordpress.com/2016/04/20/liebster-award-kettenbrief-2-0/
    Ganz liebe Grüße!

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