Das Ende

Veröffentlicht: Freitag, 30.09.2016 in Kunden

In der Welt von IT-Produkten ist es nicht unüblich, dass man neben dem Produkt selbst auch einen sogenannten Supportvertrag erwirbt. Dieser Supportvertrag beinhaltet in aller Regel kompetente Unterstützung durch den Hersteller des Produktes, falls es zu technischen Problemen kommt oder der Kunde einfach nicht in der Lage ist, die schwarze Schrift vor weißem Hintergrund auf dem Bildschirm zu entziffern und jemand benötigt, der ihm das Vorlesen und am besten noch gleich das Verstehen und Umsetzen übernimmt.

Viele Brötchenbringer- und Butterbringer-Kunden kaufen aus eben jenem Grund auch unseren Supportvertrag und erhalten somit die sensationelle Möglichkeit, ihre Nichtigkeiten mir vorbringen zu dürfen, sofern ich geruhe mich des Supports anzunehmen.

So kam es, dass mir ein Kleinkunde mit Supportvertrag auffiel, der fast jeden Tag bei uns im Support landete und ständig irgendwelche Fragen zu Nichtigkeiten oder auch Dingen stellte, die gar nicht Teil unserer Supportleistung waren, aber damit die Supporter stundenlang beschäftigte und darüber hinaus die phänomenale Fähigkeit besaß, direkt nach seiner Frage nicht mehr zuzuhören. Sowohl ich als auch Der Häuptling sprachen den Kunden, Herrn Niels Ervtöter, daraufhin mehrfach an, er möge den Support bitte nicht wegen jeder Nichtigkeit und vor allem nicht wiederholt immer wieder zum gleichen Thema, das erschöpfend beantwortet wurde, und erst recht nicht für Themen, die nix, aber auch wirklich gar nichts mit unserem Produkt zu tun haben, anrufen.

Eines Tages klingelte wieder das Telefon und im Display tauchte der Name N. Ervtöter auf. Da ich gerade keinen Auszubeutenden in Armesreichweite hatte, um ihn an den Ohren an mein Headset zu ziehen und ihm das Telefonat aufs Auge zu drücken, musste ich selbst ran. Schnell wurde klar, dass der Anruf mal wieder so gar nichts mit Brötchenbringer zu tun hatte.

Herr Ervtöter. Ihre Frage hat mal wieder gar nichts mit unseren Produkten zu tun. Und wie ich sehe, läuft Ihr Supportvertrag und auch Ihre Lizenz für Brötchenbringer in den nächsten Tagen aus. Da Sie unsere wiederholten Aufforderungen, den Support nicht über Gebühr und themenfremd zu beanspruchen nicht nachgekommen sind, habe ich soeben die automatische Lizenzverlängerung und auch die Verlängerung des Supportvertrags beendet. Bitte unterlassen Sie es daher, ab dem 1. Oktober uns zu kontaktieren, wir wünschen keine weiteren Geschäftsbeziehungen mehr mit Ihnen.

Ausnahmsweise hatte der gute Niels mal richtig zugehört und sogar den Inhalt korrekt erfasst. Er wollte wissen, was wir uns erlauben würden und teilte uns mit, dass wir noch von seinem Anwalt wegen Rufmords hören würden.

Herr Ervtöter, mir ist zwar unerklärlich, warum das Aufkündigung jeglicher Geschäftsbeziehung mit Ihnen Rufmord darstellen soll, aber bitte. Gemäß unserer AGB können beide Seiten bis zum letzten Tag der automatischen Verlängerung der Lizenz und des entsprechend an diese gekoppelten Supporvertrags widersprechen. Dies habe ich getan. Ihre Daten können Sie jederzeit in einem der gängigen Standardformate exportieren, jedoch sind alle anderen Funktionen unterbunden. Insofern kann ich auch keine bewusste Geschäftsschädigung erkennen. Wie dem auch sei, ich wünsche Ihnen jetzt einen guten Tag und selbstverständlich können Sie noch bis zum 30. September den Support in berechtigten Fällen beanspruchen und die Software ohne Einschränkungen weiter nutzen. Damit beende ich das Gespräch, einen unerfreulichen Tag noch.

Bis heute hörten wir nichts mehr von ihm oder seinem Anwalt. Ob sein Anwalt die Geschäftsbeziehung mit ihm auch beendet hat?

— ENDE —

Mit diesem letzten Beitrag verabschiede ich mich vorerst als Blogger von euch. Das Blog selbst werde ich euch erhalten und vielleicht, wenn ich mal wieder Lust auf eine Geschichte habe, diese hier zum Besten geben. Aber rechnet nicht mehr damit. Eingehende Kommentare werden aber noch eine Zeit lang bei Bedarf beantwortet.

Es war eine schöne Zeit gemeinsam mit euch und euren Kommentaren und Anregungen. Aber wie so oft im Leben heißt es nun weiterziehen und Abschied nehmen. Mein Leben hinter der Maske hat sich derart geändert, dass ich hier nicht mehr mit der Leidenschaft am Werke bin, mit der ich euch am Anfang so erfreut habe. Daher ein Abgang in Würde mit einem letzten Geschenk an euch.

Euer
Maskierter

Kommentare
  1. TadLdB sagt:

    Hallo Masskierter,

    schade, dass du den Blog nicht mehr -aktiv- fortführen wirst. Ich danke dir für viele erheiternde Momente beim lesen deiner Beiträge und wünsche dir alles Gute und viel Erfolg bei dem was du machst.

    Viele Grüsse aus dem Land der Berge

  2. @TadLdB

    Danke für die warmen Worte. Ein weinendes Auge ist dabei. Aber dieser Zombiezustand war auch nichts mehr. Daher lieber ein sauberer Schnitt.

  3. Roland sagt:

    *schnief* … ein Stück Literatur wird nicht mehr weitergeführt.
    Dir alles Gute!

    euro

  4. herrtaxifahrer sagt:

    *schnief* Du hast einst meinen Lieblingsbegriff erschaffen: „Paarhufer in Scheiben“.
    Was hätte noch Alles kommen können!?
    *jaul* *schnief*

  5. @Roland

    Also Literatur ist nun wirklich ein großes Wort für meine bescheidenen Schreibkünste. Aber es freut mich, dass es dir so gut gefallen hat.

    @herrtaxifahrer

    Eine exzellente Frage. Welche Wortschöpfungen bleiben der Menschheit somit auf ewig verborgen? Wir werden es wohl nie erfahren. :(

  6. sarc sagt:

    Schade. Ich mochte deinen Schreibstil, hab immer gern mitgelesen. Und seit Monaten immer wieder mal reingeschaut, obs nicht doch noch mal was neues gibt…

    Viel Erfolg, was auch immer du grad machst!

  7. @sarc

    Danke für die Lorbeeren. Aber wie das Leben so ist. Interessen verändern sich, Prioritäten verschieben sich. Und dann war da diese nagende Stimme im Hinterkopf, dass ich doch mal wieder bloggen müsste, die am Schluss mehr nervig als leidenschaftlich war.

    Über 250 Geschichten aus dem Wahnsinn meines bisherigen IT-Schaffens sind aber ein schönes Vermächtnis und laden doch zum wiederholten Lesen ein.

  8. Kiki sagt:

    Schade, ich habe mich immer so gefreut wenn ich einen neuen Beitrag hier gefunden habe! Ich wünsche dir alles, alles Gute für jetzt und die Zukunft! (Und wenig Kunden, die einen in den Wahnsinn treiben ;-) )

  9. @Kiki

    Ging mir mit einigen Blogs auch so, kann das gut nachvollziehen. Leider haben nicht viele offiziell gesagt „Ist Ende“.

  10. Lonegard sagt:

    Lieber Maskierter …

    es mag zwar schade sein, das du uns als Tränen-in-den-Augen-vor-Lachen-Blogger nicht mehr
    zur Seite stehst, aber umso schöner finde ich, das du zumindest hier erstmal einen Schlußstrich
    gezogen hast.
    Ich kenne auch zuviele Blogs, die einfach sang- und klanglos ins elektronische Nirvana entfleucht
    sind. Ich wünsche dir, das dich vielleicht irgendwann mal wieder die Leidenschaft anspringt, dir
    einen satten Schmatzer aufs weise Haupt drückt und du dich dann an diesen Blog erinnerst.
    Bis dahin (auf wenn dieser Tag vielleicht niemals kommen sollte) dir, deinen Kollegen bei Brötchen-
    bringer und Familie (??) eine schöne Zeit und vorallem … lasst euch niemals von Kunden nerven ;)

    Um mit einem abgewandeltem einer alten WDR-Computer-Sendung zu schliessen … Immer eine
    volle Tasse Kaffee übrig halten ;)

    so long,
    Lone

  11. Neeeeiiiiiiiin!
    Da freut man sich – nichts Böses ahnend – wieder mal einen Blogeintrag des Maskierten lesen zu dürfen .. und dann das:
    Das Ende. *seufz*

    Bleibst du der Blogosphäre wenigstens lesend (und gelegentlich kommentierend) erhalten?

    However – alles Gute für die Zukunft, und lass dich nicht zu sehr von Kunden nerven.

  12. @Lonegard

    Dieses klammheimliche Ausschleichen lassen mag ich auch nicht.

    @breakpoint

    Ja, lesen und kommentieren werde ich immer noch. Das frisst ja auch nicht so viel Zeit und Muse.

  13. linuxuser86 sagt:

    Sehr schade. Haben mich Deine Erzählungen doch immer erheitert!

  14. Marco sagt:

    O.K.
    Aber dann schreib ein Buch. Meine Vorbestellung haste…

  15. Ein Buch wird es nicht geben, tut mir leid euch enttäuschen zu müssen.

  16. Nullzone sagt:

    *seufz* Und damit ist er von uns gegangen, sozusagen.
    Als bis dato stiller Leser moechte ich mich fuer die vielen schoenen Artikel und herzhaften Lacher bedanken, die Du uns ueber die Jahre beschert hast.
    Und auch dafuer, dass Du das Ende ansagst. Passiert leider zu haeufig, dass Blogs einfach ohne „beruehmte letzte Worte“ sterben…

    Auch wenn es kein Buch geben wird, koennte ich Dich fuer das naechstbeste begeistern?
    Alle Artikel als PDF (oder wasauchimmer) zum runterladen, falls Du das Blog einmal schliessen solltest.

    Beste Wuensche fuer die Zukunft, moege Dein Feinkostgewoelbe-Paarhuferfriedhof stets gut gefuellt bleiben :)

  17. @Nullzone

    Ich habe keine Pläne, die Seite hier einzustellen. Lediglich die Facebook-Seite wird demnächst gelöscht, weswegen sie bereits hier aus dem Seitenmenü verschwunden ist.

  18. Sandmann sagt:

    Auch ich als Nachzügler möchte meinen Dank an den Mann mit der Maske mitteilen!

    Es hat mich immer sehr erheitert hier zu lesen und deinen Wortschöpfungen zu folgen.

    Alles Gute!

  19. Andrea sagt:

    Schade, dass du den/das Blog beendest, lieber Maskierter. Ich habe deine Beiträge immer gerne gelesen.

    Bleibt der/das Blog erhalten ? Das wäre fein.

    Alles Gute weiterhin wünscht dir herzlichst

    Andrea

  20. Engywuck sagt:

    Schade, dass es nun zu Ende ist.

    Bleibt nur eine Frage: wird der Maskierte demaskiert? :-)

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