Archiv für die Kategorie ‘Kollegen’

Neue Features

Veröffentlicht: Donnerstag, 01.10.2015 in Kollegen

Auf dem Weg zur Kaffeemaschine treffe ich Vincent Egetarier, seines Zeichens oberster Dompteur der Entwicklungsabteilung. Da in wenigen Wochen das Release der neuen Version ansteht, die ein neues Feature enthält, für das uns die Kunden bereits jetzt die Tür einrennen, frage ich Vincent:

Na du alter Bitschubser,  was macht das Feature Mompelplonz?

Ein breites Grinsen huscht über sein Gesicht und ein schelmisches Leuchten macht sich in seinen Augen breit:

Auf dem Papier funktioniert es bereits perfekt.

Jetzt hab ich Muskelkater im Zwerchfell und gleich noch eine lange Telko.

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Vorbereitung

Veröffentlicht: Donnerstag, 19.02.2015 in Kollegen, Kunden

Der Tag begann damit, dass ein Kater, der die Ausmaße einer Kleinstadt problemlos einnehmen konnte, sich durch meinen Wecker provoziert sah, in Erscheinung zu treten. Notdürftig flickte ich die Reste meines Körpers unter der Dusche zusammen und futterte den Inhalt meines Medizinschränkchens auf, um wenigstens wieder rudimentär andere Signale als Schmerz verarbeiten zu können.

Gebeutelt und geprügelt wie ein Straßenköter schleppte ich die traurigen Überreste meiner selbst, die das gestrigen Gelage übriggelassen hatte, in das Wigwam, um die arbeitsvertraglich zugesicherte Leistung zu erbingen wenigstens durch meinen guten Willen zu vertreten. Versorgt mit literweise Kaffee durch meine Azubis und leckeres Zuckergebäck von Sabine Feger, ging es mir alsbald wieder besser.

Dies änderte sich jedoch, als Der Außerirdische plötzlich vor mir sichtbar wurde und verkündete, dass gleich ein Meeting mit einem potentiellen Neukunden für Butterbringer angesetzt wäre. „Das ist aber schön“, erwiderte ich. „Wünsche euch viel Erfolg.“

Tja Maski, wir haben da ein Problem. Prosti hat sich gerade gemeldet und für heute krank gemeldet. Der sollte die Präsentation halten. Aber zum Glück haben wir ja noch dich. Wir erwarten die Leute so in etwa 10 Minuten. Also bereite dich schon mal vor.

Bei diesen Worten drehte sich mir spontan der Magen um und ich fühlte das dringende Bedürfnis, mir die Getränkefolge des gestrigen Abends in rückwärts-chronologischer Reihenfolge durch den Kopf gehen zu lassen. Aus vielerlei praktischen Gründen hatte ich ungefähr direkt nach Erfindung des elektrischen Lichts aufgehört, Präsentationen zu Butterbringer zu halten und demzufolge auch absolut keine halbwegs aktuellen Slides, um diese dem Kunden um die Ohren zu hauen. Diese in 10 Minuten halbwegs auf den Stand der Dinge zu bringen, grenzte an Utopie.

Bevor Der Außerirdische entmaterialisieren konnte, überwand ich meine Übelkeit und trug ihm auf, dass er das große, fahrbare Whiteboard den Entwicklern klauen und ins Konferenzzimmer bringen sollte.

Die verbleibende Zeit nutze ich dazu, meine virtuelle Testumgebung für Butterbringer auf meinem Notebook zu starten und die Schminkkünste von Sabine Feger zu beanspruchen, um die gröbsten noch sichtbaren Sturmschäden in meinem Gesicht zu beseitigen.

So kam ich halbwegs vorzeigbar ins Konferenzzimmer, kurz bevor die potentiellen Neukunden hereingeführt wurden. Nach der Begrüßungs- und Vorstellungsrunde sowie dem obligatorischen Austausch der Vistenkarten, übernahm Der Außerirdische das Zepter und den Beamer und zeigte seine seit Jahren kultivierte Unternehmenspräsentation, die intern den Codenamen „Warum wir die Geilsten sind und wie wir es wurden“ trägt. Nach ein bisschen individuellem Geplänkel in Kundenrichtung, das auf einer schnellen Recherche auf deren Webseite basierte, gab er dann an mich ab mit den Worten:

Leider ist der angekündigte Kollege Herr Prosti heute erkrankt, der die technische Präsentation halten sollte. Zum Glück konnte Herr Maskierter kurzfristig einspringen und wird für Sie Butterbringer von technischer Seite durchleuchten.

Dann nahm er Platz und überließ mir das Feld.

„Kurzfristig ist gut, noch vor einer halben Stunde ahnte ich nichts von meinem Glück“, begann ich meine Worte mit einem ironischen Lächeln und hatte schon den ersten Lacher auf meiner Seite. „Aus diesem Grunde habe ich leider auch keine Präsentation für Sie vorbereitet. Aber Sie kennen sicherlich die alte Weisheit: Wer zwingend eine Präsentation braucht, hat keine Ahnung wovon er redet. Ich improvisiere daher ohne Präsentation.“

Bei meinen Worten nahm ich mit innerem Genuss wahr, wie Der Außerirdische die Augen verdrehte und mich mit dem Blick „Das hast du jetzt nicht wirklich gesagt“ anschaute. Ich erwiderte mit meinem „Doch, du hast richtig gehört“-Lächeln und fing dann an, am Whiteboard den Aufbau von Butterbringer zu skizzieren und meine Show unter Einbindung der Interessenten und deren Schilderung ihrer IT-Umgebung abzuziehen und nicht mit wohldosierten und zum Schmunzeln anregenden Seitenhieben auf unsere Mitbewunderer am Markt zu sparen. Detailfragen klärte ich anhand meiner Testumgebung und am Schluss stand das schlüsselfertige Konzept zur Implementierung unseres Produkts in ihrer Umgebung, so dass im Grunde nur noch der Auftrag erfolgen musste.

Als die Kunden auf die Uhr schauten und feststellten, dass bereits 2 Stunden um waren, bewahrheitete sich wieder Einsteins Aussage über die Relativität der Zeit am Beispiel der persönlichen Wahrnehmung. Es war ziemlich offensichtlich, dass eine Entscheidung bereits gefallen war, spätestens als einer der Kunde zu mir kurz vor der Verabschiedung sagte:

Ich hatte im Vorfeld wie schon bei Ihren Mitbewerbern mit einer Powerpoint-Folien-Schlacht gerechnet, aber selten habe ich so eine unterhaltsame, informative und auf uns zurechtgeschnitte Produktvorstellung erlebt. Und das noch aus dem Stand heraus. Vielen Dank dafür!

Ich kann es nur immer wieder sagen: Wer eine vorgefertige Präsentation braucht, der weiß eben nicht, wovon er redet.

Heiliger GAU-Abend

Veröffentlicht: Dienstag, 24.12.2013 in Kollegen, Kunden

Ich hasse Weihnachten. War Weihnachten in meiner Kindheit die zweite schöne Zeit im Jahr, in der es hieß, groß Geschenke abzugreifen, ist es inzwischen nur noch ein weiteres Kommerzfest mit einer Menge geheuchelter Liebe da draußen. Wenn ich nur an die Leute denke, die zu Weihnachten fleißig spenden, um ihr Gewissen zu beruhigen; aber ich schweife ab.

Eines hat mir an Weihnachten, ganz unabhängig von den Geschenken, aber immer gefallen: Das gute Essen! Zum heiligen Abend wurde immer ein Braten aufgefahren, der gefühlt zwei Wochen Zubereitungszeit benötigt hatte, dafür aber noch Monate danach ein seliges Grinsen ins Gesicht und ein lautes Grummeln im Magen bescherte.

Diese Tradition führe ich seither fort. Während landauf und landab Weihnachten die Zeit des Konsumterrorismus ist, wird bei mir die Zeit des großen Fressens zelebriert. Ja, richtig, Fressen. Denn mit Essen hat die Vernichtung von Nahrungsmitteln in dieser Größenordnung nichts mehr zu tun.

So geschah es, dass pünktlich am 24. um ca. 18 Uhr vor meiner unmaskierten Nase der größte und leckerste gefüllte Gänsebraten seit Einrichtung der Gänsemast stand. Dieser würde mir die kommenden Tage ein seliges Fresskoma und 5 weitere Kilo zwischen Gürtelgrenze und Brustwarzen bescheren. Dazu ein Berg selbstgemachter Semmelknödel und zwei Schubkarren voller Rotkohl mit Speck. Wer meine kulinarischen Präferenzen durch den ein oder anderen versteckten Hinweis kennt, den wird es auch nicht wundern, dass das Federvieh zuvor in gerupfter Form noch einige Tage in Rotwein planschen durfte und die Soße auch zu einem großen Teil aus diesem wunderbarsten Gesöff auf Basis vergorener Trauben bestand.

Um meine Geschmacksknospen schon langsam auf das lukullische Freudenfest einzustimmen und auch als eine Maßnahme zur Qualitätssicherung, wurde natürlich konstant die Güte des Weines in Form eines Verköstigungsglases kontrolliert, wenn es wieder an der Zeit war, den Braten im Ofen damit einzupinseln. Zwar mag diese Maßnahme bei den qualitativ hochwertigen Weinen meiner Sammlung pedantisch wirken, aber was die Qualität meines Essens und Trinkens angeht, gehe ich kein Risiko ein.

Derart sorgfältig präpariert rutschen also die ersten Bissen an meinem Gaumen vorbei und jeder, aber wirklich jeder, der die Chance gehabt hätte, wäre vor Verzückung vor Freude vom Stuhl gehüpft, wenn er dieses Meisterwerk der Kochkunst gekostet hätte. Jedoch hatte ich sowohl das Dienst- als auch mein Privathandy ausgeschaltet, um nichtzuletzt auch dies zu vermeiden und wirklich meine Ruhe zu haben.

Umso perplexer war ich, als ungefähr zur Halbzeit des ersten Tellers das Klingeln eines Telefons, genauer meines Festnetztelefons mich aus den Gefilden der kulinarischen Glückseligkeit riss. Die Perplexität wurde noch durch den Umstand gesteigert, dass meine Festnetznummer ungefähr einem Staatsgeheimnis gleichkommt. Außer der NSA, meinen Anwälten und einer nichtmal handvoll Personen, kannte niemand diese Nummer. Weder Familie, noch Ex-Freundinnen, noch die GEZ oder das Finanzamt. Und da zu dieser Zeit die ganzen Werbeanrufer nur mit unterdrückter Nummer daher kamen und ich unterdrückte Rufnummern auf „Frank geht ran“ umgeleitet hatte, konnte es nur die NSA, meine Anwälte oder einer der nichtmal handvollen Anzahl von Personen sein, die diese Nummer kannten – oder jemand, der sich verwählt hatte.

Schweren Herzens also löste ich mich von diesem Wunderwerk eines Weihnachtsbratens und suchte das verfluchte Handteil meines Telefons, das sich kunstvoll unter einem Stapel gelesener iX-Magazine im Arbeitszimmer vor mir zu verstecken suchte. Als ich die Anruferkennung im Display sah, traute ich meinen Augen nicht. Was wollte Der Häuptling denn ausgerechnet an Heilig Abend von mir? Wir hatten seit Jahr und Tag ausgemacht, dass wir bis zur großen Silvester-Sause, die wir traditionell gemeinsam feierten, unsere Leberwerte nicht gemeinsam in die Höhe trieben. Oder mit anderen Worten: Er muss Die Schamanin und seine Stiefkinder bespaßen und ich bin froh, nicht noch mitten in dem familiären Spektakel involviert zu sein, da ich ansonsten da nicht drum herum komme. Außerdem hatte er nur diese Nummer, damit er mich im allerhöchsten Notfall, wie einer Scheidung, Kautionshilfe oder eines spontanen Alibis erreichen konnte. Ansonsten versuchte er es stets nur auf dem Privathandy.

Du weißt schon, dass du mich gerade vom besten Gänsebraten aller Zeiten abhältst? Gab’s Streit und du brauchst jetzt Asyl?

Mit diesen Worten grüßte ich meinen Freund und Brötchensponsor, gespannt darauf, was das Anliegen dieses hochwichtigen Anrufs war:

Maski, es tut mir schrecklich Leid dich heute stören zu müssen. Aber ich bekam eben einen Notruf von $GrößterDeutscherIndustriekunde. Bei denen ist der GAU nahe, die Produktion an allen Standorten steht bald, weil keine Aufträge mehr aus Brötchenbringer kommen. Zum Glück haben die aufgrund von Weihnachten eine reduzierte Produktion, aber wenn das nicht am 27. läuft, dann ist die Kacke am Dampfen. Die Bereitschaft, die mich alarmiert hat, kommt aber nicht per Fernwartung drauf und müsste vor Ort fahren. Und da wäre es mir ganz lieb, wenn du das übernehmen könntest. Das muss unbedingt bis zum 27. wieder laufen, ansonsten werden die den Vertrag nicht verlängern und wir verlieren gut 30% Umsatz. Wenn es also nicht wirklich so wichtig wäre, würde ich dich nicht nerven.

Ich schluckte. Das war wirklich der größte anzunehmende Unfall, der sich ereignen konnte. Was nützte es, wenn wir uns auf die SLAs im Vertrag beriefen, wenn der Kunde danach den Vertrag nicht verlängerte. Vor allem, wenn es so ein Brocken wie dieser Kunde war. Der Häuptling deutete meine kurze Pause, die ich brauchte, um durch den leicht weingeschwängerten Nebel in meinem Hirn die Zusammenhänge zu erfassen, falsch:

Du weißt genau, dass ich mich dafür revanchieren werde. Von mir aus bekommst du jeden Cent, den wir denen dafür in Rechnung stellen, plus eine Woche Urlaub extra. Aber Hauptsache du kümmerst dich drum!

Nene, du verstehst mich gerade falsch. Ich hab schon den ein oder anderen Schluck Wein intus und bin definitiv nicht mehr fahrtüchtig.

Kein Thema, dann hol ich dich ab und fahr dich hin und auch wieder zurück oder such dir währenddessen ein Hotel vor Ort, wenn es länger dauert. Hauptsache wir bekommen die Kuh rechtzeitig vom Eis.

Okay. Aber lass dir Zeit, denn vorher esse ich noch in Ruhe fertig! Soviel Zeit muss sein.

Ja, auf paar Minuten kommt es nicht mehr an. Danke Maski, danke! Bis gleich.

Ich schlurfte zurück in die Küche und machte mich über die Reste auf meinem Teller her und hatte sogar noch Zeit, einen zweiten großen Nachschlag und zwei Gläser Wein zu vernichten, ehe es an meiner Tür klingelte und Der Häuptling mich unrasiert und unfrisiert – damals hatte ich sogar noch Haare – einsammeln wollte. Eine kurze Katzenwäsche und einen Kleiderwechsel in nicht mehr ganz so gemütliche Alltagsklamotten – meine ausgeleierten Jogginghosen und das fleckige Wacken-T-Shirt wollte ich dann doch nicht unbedingt beim Kunden tragen – später, schnappte ich meinen Laptoprucksack mit dem Dienstlaptop und sonstigen beruflichen Kram drinne und saß wenige Momente später neben dem Häuptling auf dem Beifahrersitz.

„Daran erkennt man die wirklich wichtigen Personen im Unternehmen“, scherzte ich, „wenn der Chef einen höchstselbst zum Kunden chauffiert.“ Die nicht jugendfreie Antwort, die sinngemäß lautete, dass er sich selber auf den Arm nehmen könnte und heute auch besseres zu tun wüsste, möchte ich an dieser Stelle dennoch nicht wortgetreu wiedergeben. Mein freches, überlegenes Grinsen die ganze Zeit, könnt ihr euch auch so vorstellen.

Während der dreistündigen Fahrt zum zentralen Rechenzentrum des Unternehmens nüchterte ich dann auch langsam wieder aus und ärgerte meinen Häuptling so gut es eben ging. Und es ging unglaublich gut.

Der Nachtpförtner war bereits instruiert und so ging es schnell – mit Parkplatz direkt vorm Eingang – ins IT-Gebäude zum Ort des Geschehens. Der zuständige IT’ler vor Ort stellte sich als Arbeitskraft von einem bekannten Outsourcing-Dienstleister vor, während ich meinen Häuptling als meinen Fahrer vorstellte. Erst bei der Rückfrage durch den IT-Schergen, wer er nun genau sei, erweiterte Der Häuptling mit amüsierten Grinsen, da er mir den Spaß und auch die Verwirrung des Gegenübers gönnte, dass er der geschäftsführende Gesellschafter von Brötchensponsor sei. Der Scherge schaute wie ein nacktes Eichhörnchen mit buschigem Schwanz auf Speed, als er dies hörte und führte uns irritiert ins Büro, wo er mit den anderen Vasallen des bekannten Dienstleisters die Hoheit über die IT unseres Kunden hatte.

Der Rest war ziemlich unspektakulär. Aufgrund eines Hardwarefehlers war eine Datenbank für Brötchenbringer ausgefallen, weswegen keine neuen Aufträge aus dem System generiert wurden. Dies konnten die unterbezahlten und überforderten Handlanger des Dienstleisters nicht erkennen. Immerhin waren sie in der Lage das betroffene Blech auszutauschen und ich hatte innerhalb kürzester Zeit die Datenbank aus der letzten Sicherung wiederhergestellt und mit ein paar Hangriffen und in Brötchenbringer integrierten Mechanismen auf den Stand zum Moment des Absturzes zurückgebracht.

So schlürften Der Häuptling und ich am frühen Morgen des 1. Weihnachtsfeiertages zu unserem Gefährt und steuerten das nächstgelegene Gasthaus König, Mitglied der bekannten und bundesweit vertretenen amerikanischen Feinkostkette an. Während Der Häuptling sich einen Kaffee einwarf, gönnte ich mir zum Frühstück einen Doppelwhopper und einen Big King XXL, denn die Arbeit macht bekanntlich hungrig. Im Auto überschlug mein Häuptling schon grob, wieviel der Einsatz nun kosten würde und ich bekam Tränen in den Augen, nachdem ich mir grob ausgerechnet hatte, wieviel davon nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben bei mir ankommen würde. Nichtsdestotrotz würde ich mir später von dem Betrag einen feinen, mehrwöchigen Urlaub in der Karibik gönnen können.

Und die Moral von der Geschicht: Beschäftige schlechtbezahlte IT-Dienstleister nicht.

Ohne die unfähigen Knechte des Outsourcing-Dienstleisters hätte das ursächliche Problem problemlos von der hausinternen IT gelöst werden können. Mit diesem Gedanken schlummerte ich auf dem Beifahrersitz ein, während Der Häuptling sanft dem Sonnenaufgang Richtung Heimat entgegen ritt.

Dialog zwischen Tobi und Prosti

Veröffentlicht: Montag, 27.05.2013 in Kollegen

Tobi versucht Herrn Hinz zu erreichen.

Verdammt, seit zwei Stunden versuche ich den Hinz zu erreichen.

Wieso rufst du nicht den Kunz an?

Der ist da nimmer.

Wegen der Gesundheit?

Nö, wegen der Kündigung.

Das war der Moment, wo ich, unfreiwilliger Zeuge der Unterhaltung, lachend zusammenbrach. Tobi meinte natürlich, weil Herr Kunz gekündigt hatte.

Röte

Veröffentlicht: Montag, 13.05.2013 in Kollegen

An einem schönen Wintertag, an dem ich schon alleine aus Gründen meiner privaten Heizkostenoptimierung froh war, dass die Heizung des Firmenwigwams den arktischen Winter auszusperren vermochte, während draußen sofortiges Schockgefrieren drohte, schritt ich gemütlich durch die Flure, auf der Suche nach Kollege Eisen. Seine liebreizende Gattin, die uns regelmäßig mit exzellenten Kuchen und Torten versorgte und deren Wünsche somit automatisch für mich höchste Priorität zwecks Erhaltung des guten Betriebsklimas genossen, verlangte nach schnellstmöglicher fernmündlicher Kontaktaufnahme ihres Holden.

Eine meiner niederen Azubi-Lebensformen, die ich zu Tobis Unterstützung abkommandiert hatte und mir dabei zufällig über die Füße wuselte, gab mir den heißen Tipp, es im Serverraum zu versuchen. Ich lenkte also meine Schritte zum Heiligtum unseres Unternehmens, in das nur einige Auserwählte überhaupt Einlass erhielten. Ich vermag nicht zu sagen, ob ich von Glück sprechen soll, dass ich zu diesem Kreis gehörte, jedoch war ich von Glück gesegnet, dass meine Anwesenheit in dem Raum nur im Fall der Fälle von Nöten war; im Gegensatz zu Tobias, der nebenbei die Hauptverantwortung für unser „Blech“, wie wir die Hardware zu nennen pflegten, trug.

Langsam schritt ich die Treppe hinab in den Keller, üblicherweise das Refugium unserer Homo Sapiens Algorithmis, im Volksmund auch Programmierer genannt. Doch statt nach links, in die Höhle des ungefährlichen Löwens Vincent Egetariers, zu gehen, zog es mich nach rechts, in die separate Brandschutzzone, die  hinter dicken Stahltüren, gesichert mit einem elektronischen Türschloss, die Herberge unserer Server bildete und diese mit einer Kohlendioxid-Löschanlage vor flammenden Momenten schützte. Doch ich musste gar nicht die Schlüsselkarte bemühen, denn die Tür stand sperrangelweit offen und war mit einem selbstgebastelten Holzstück verkeilt. Aus dem Innern erklangen leise Flüche.

Ich trat näher und blickte in den Serverraum. Dort sah ich Tobi am Arbeits- und Montagetisch sitzen. Vor sich lag offen das Innenleben eines Tower-Gehäuses, über das er leicht gebeugt war und dabei leise vor sich hinfluchte. Für einige nicht so wichtige Testsysteme, die aber gerne mal viel Power brauchten und daher regelmäßig – noch vor der Abschreibungsfrist des Finanzamts – erneuert werden müssen, hatten wir uns für billige Desktop-Hardware entschieden, so dass auf einem Stahlregal an der Wand, schön nebeneinander aufgereiht, ein gutes Dutzend Tower-Rechner standen, während die Mitte des Raumes durch die Käfige unser 19-Zoll-Racks dominiert wurde.

He, Tobi, deine Regierung hat mich angerufen. Du sollst sie pronto zurückrufen, wenn du in den nächsten 10 Jahren nochmal die ehelichen Freuden genießen möchtest. Und warum zum Teufel lässt die Tür offen stehen? Du weißt genau, dass im Brandfall dann das ganze CO2 hier unten rumsuppt und wir uns danach an neue Softwareheinis gewöhnen müssen. Gerade jetzt, wo wir uns die jetzigen halbwegs erzogen haben.

Erschrocken blickte Tobi auf und sah mich mit weit aufgerissenen Augen an, während ich sadistisch wohlwollend grinste. Dann erwiderte er:

Ach, ich wollte nur eben in diesem Testsystem eine Festplatte im RAID tauschen, die defekt ist. Aber jetzt erkennt der RAID-Controller nicht mehr die neue Platte. Seit einer Stunde sitze ich hier schon und komm nicht dahinter. Und da ich die trockene Klimaanlagenluft nicht so gut vertrage, habe ich die Tür offen gelassen.

Inzwischen war ich an den Verzweifelten herangetreten und warf einen Blick ins Innere des offenen Rechners. Dann setze ich wieder mein wohlbekanntes Grinsen auf und sprach:

Ganz heißer Tipp: Klemm mal das Stromkabel an.

Anschließend versuchte ich mein Grinsen soweit zu verbreitern, dass es meine Ohren verschlucken könnte, ergötzte mich noch ein paar Sekunden am inzwischen zur Puffleuchte geröteten Kopf von Tobi und verließ, fröhlich lachend, den Serverraum unter dem nun lauten Fluchen über seine eigene Blindheit beschlagenen Kollegen.

Er hätte mich besser mal fragen sollen

Veröffentlicht: Montag, 22.04.2013 in Kollegen

Der Mensch arbeitet nicht vom Kaffee allein. Zwar ist diese Substanz eine der wichtigsten Rohstoffe der heutigen Welt – und die Wirtschaft bräche ohne das schwarz-braune Gold völlig zusammen – dennoch muss zwischendurch auch etwas anderes sein. Unser Häuptling sponsort neben dem Schmierstoff auch noch geblubbertes Wasser, und zwei mit Kunstaromen nur so vollgestopfte Besatzerbrausen. Dazu erspäht das suchende Auge, das nicht davor zurückschreckt, diverse Schranktüren zu öffnen, auch den ein oder anderen Teebeutel in der bezeichnenderweise so genannten Teeküche.

Wir Indianer haben also wirklich keinerlei Grund zur Beschwerde, was die Flüssigkeitenversorgung angeht. Und die regelmäßige Anlieferung von Pizzaschachteln in Treckerreifengröße auf Kosten des obersten Heeresführers sorgen auch dafür, dass die erotische Schwungmasse nicht zu schmelzen droht. Doch wem das immer noch nicht reicht, der muss sich selber helfen.

Und ratet mal, wer sich hier selber hilft. Neben Kaffee, Wasser und gelegentlich Cola vernichte ich Unmengen an Tee. Und wenn man viel Tee trinkt, dann wird einem die Auswahl, die man in der Küche vorfindet, schnell langweilig. Also habe ich mich mit einer Menge Engländerschreck – im Handel unter aromatisiertem Tee geführt – und diversen Kräutertees eingedeckt. Stilunecht im Teebeutel. Ein ganz besonderes Faible habe ich für Minztee entwickelt und so findet man in meiner Schublade des Rollcontaineres, in der ich diese aufzubewahren pflege, ein halbes Dutzend unterschiedlicher Minzsorten; schön neben- und hintereinander gereiht in ihren Pappschachteln, so dass in der Schublade kein Fingerbreit mehr frei ist.

Meine kleine Sammlung hatte sich schnell in der Firma rumgesprochen – meinen Azubis sei’s gedankt. Und da wir hier ein sehr gutes Klima haben und jeder zu dessen Erhalt beisteuert, war es nur normal, dass hin und wieder jemand mal nach einem Beutel aus meinem Sortiment fragte. Da wir unsere Rollcontainer auch nicht verschließen, war es auch nichts Ungewöhnliches, dass jemand in meiner Abwesenheit sich mal einen Beutel nahm, mir eine kurze, dankende E-Mail hinterließ und sich dafür anderweitig revanchierte – oder um meine Vorliebe für Minze wissend auch eine mir noch unbekannte Packung mitbrachte, wenn derjenige eine solche im Handel erspähte.

So kam es auch, dass ich gemeinsam mit Tobi beim Argentinier des Vertrauens eine Herde Rinder mit Papa Asada in den trainierten Magen lotste, während Der Außerirdische von leichter Heiserkeit geplagt, einen Tee aus meiner Schublade nahm und mir zum Dank eine Flasche seines von seiner Mutter handgepressten Apfelsafts hinterließ.

Dies stellte ich erfreut fest, nachdem Kollege Eisen und ich maximal befüllt aus der Mittagspause zurückkehrten zurückrollten. Bei so viel Großzügigkeit, schließlich redeten wir immerhin von einem Liter allerbestem Apfelsaft, importiert aus fernen Galaxien, wollte ich mich prompt bedanken. Auf dem Weg zum Wesen exoplanetaren Ursprungs kam dieses mir wie ein geölter Blitz entgegen, rief nur „Aus dem Weg!“ und verschwand in der Toilette für maskuline Lebensformen.

Ich zuckte irritiert mit den Schultern und dachte mir nur, dass da jemand genug von seinem Apfelsaft genossen hatte, um dessen anregende Wirkung der Peristaltik zu erfahren. Also ging ich zurück zu meinem Arbeitsplatz, genoss den Apfelsaft und hoffte, dass meine Kunden den Genuss nicht zu sehr trüben würden.

Fast hätte ich das Vorkommnis vergessen, hätte nicht drei Stunden später, kurz vor Feierabend, ein völlig zerstört aussehender Außerirdischer sich in meinem Büro materialisiert und mich angeflaumt:

Sag mal, was für einen Scheißtee hast du denn da in deiner Schublade gehortet? Erst schmeckt das Zeugs wie eingeschlafene Füße und dann komm ich nicht vom Schacht weg. Ich will meinen Apfelsaft zurück!

In diesem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich öffnete meine Vorratsschublade und wies auf eine Schachtel.

Hast du Tee aus der Schachtel genommen?

Ja, woher weißt du das? Habe extra den genommen, weil da noch eine gleiche, ungeöffnete Packung daneben steht und ich dachte, von dem hast du genug, dass du einen Beutel entbehren kannst.

Das hast du aber nett gedacht.

Dann brach ich in schallendes Gelächter aus, das noch von dem irritierten Gesichtsausdruck meines Gegenübers bestärkt wurde, und benötigte eine Weile, ehe ich mich beruhigte und fortsetzte:

Dummerweise sind das die Beutel vom Abführtee letztens, als ich solche Verstopfungen hatte, die übrig geblieben sind und die ich aus Platzmangel in die Packung getan habe. Dein Apfelsaft schmeckte übrigens köstlich, sag deiner Mama besten Dank von mir, sobald du dich wieder weiter als 50 Meter von einer Toilette gefahrlos entfernen kannst.

Noch während ich diese Worte sprach, erhob ich mich von meinem Platz und schob den Außerirdischen aus meinem Büro. Er brauchte einen Moment, um deren Sinngehalt zu erfassen, was ich daran erkannte, dass auf einmal die Gesichtszüge völlig entgleisten und er einige sehr unflätige Worte in den Raum warf, die sich gegen die eigene Unfähigkeit, das Etikett des Beutels zu lesen, richteten, während ich wieder vor Lachen mit dem Erstickungstod kämpfte.

Ansage

Veröffentlicht: Montag, 25.03.2013 in Kollegen

Als ich jüngst nach einem mittwöchigen Feiertag ins Büro kam und meinen obligatorischen Rundgang bei den Kollegen abhielt, kam ich ins Büro des Kollegen Tobias Eisen. Dieser streifte sich gerade das Headset vom Kopf und schüttelte danach selbigen. Irritiert blickte ich ihn an und er meinte nur:

Ständig haben wir Lacher in der Voicemail-Box und dann wird aufgelegt. Besonders montags oder nach Feiertagen unter der Woche.

Ein wissendes Lächeln umspielte mein Gesicht. „Meinst du die Support-Box?“, fragte ich Tobi. Neugierig schaute er mich an und erwiderte: „Ja, woher wusstest du so genau, dass ich die Voicemail vom Support meine?“ Dann setzte er nach: „Du hast doch bestimmt was mit der Sache zu tun.“

Ich grinste weiterhin wissend vor mich hin und empfahl ihm nur, mal am Samstag unseren Support anzurufen. Dann trollte ich mich lachend in mein Büro. Denn ich wusste genau, was die Ursache war. Schließlich hatte mir Der Häuptling den Auftrag erteilt, mich um die Ansage für die Hotline zu kümmern, aber bloß kein 08/15-Ding zu machen. Und so kam es, dass bei Anrufen auf unserer Hotline außerhalb der Geschäftszeiten die liebliche Stimme Sabine Fegers Folgendes verkündete, bevor die Mailbox auf Aufnahme schaltete:

Willkommen bei der Supporthotline der Brötchensponsor GmbH. Wir retten die Welt montags bis freitags zwischen 9 und 17 Uhr, außer an gesetzlichen Feiertagen. Leider rufen Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten an. Bitte versuchen Sie es zu unseren üblichen Zeiten erneut und wir retten auch Sie. Vielen Dank.